Ukraine: Jamala – eine Krimtatarin fährt zum ESC

ESC-Teilnehmerin Ukraine: die krimtatarische Sängerin Jamals

Obwohl politische Texte eigentlich verboten sind, gewann in der Ukraine die krimtatarische Sängerin Jamala mit einem Lied, mit dem sie auf das Schicksal ihres Volkes aufmerksam machen will. Tatsächlich scheint das Schicksal der Krim-Tataren, der größten Minderheit auf der Krim niemanden mehr zu interessieren. Einige Beobachter sprechen gar von einem Kartell des Schweigens. Man nehme die Menschenrechtsverletzungen auf der Krim hin, um mit Russland über Syrien verhandeln zu können. Niemanden interessierte dass die gewählten politischen Führer der Krim-Tataren seit der Annexion nicht mehr in ihre Heimat können und das auch in den vergangenen Tagen auf der Krim wieder Hausdurchsuchungen und Verhaftungen von Krim-Tataren gegeben hat. Inzwischen sitzen viele mit fingierten Anklagen in Gefängnissen. Weiterlesen

Ukraine: Schützengräben und Kontaktzonen

Osteuropäische Intellektuelle beraten über den  Umgang mit Russlands Manipulationsfabriken

Bei einer Konferenzreihe in Tutzing, München und Berlin haben mehr als 80 junge Medienexperten, Journalisten, Schriftsteller und osteuropäische Nachwuchspolitiker darüber beraten, wie man der derzeitigen russischen Propagandamaschinerie wirksam begegnen könne. Immer wieder zur Sprache kamen dabei sogenannte Troll-Fabriken. Das sind keine Fabelwesen, die inzwischen industriell gefertigt werden. Als Trolle werden die meist jungen internet-Spezialisten bezeichnet, die für ein nach russischen Maßstäben fürstliches Gehalt in sozialen Netzwerken oder per Kommentarfunktion bei wichtigen westlichen Medien Propaganda-Botschaften verbreiten. Jutta Schwengsbier berichtet. Weiterlesen

Mesopotamien – der neue Roman von Serhij Zhadan

„Anarchy in the U.K.R“, “Depeche Mode”, Hymne an die demokratische Jugend”, „Die Erfindung des Jazz im Donbass“ – die Romane des ukrainischen Autors Serhij Zhadan sind in seiner Heimat allesamt Kult. Ebenso wie seine Auftritte mit der Band „Sobaki v Kosmosje“ – was so viel heißt wie „Hunde im Weltall.“ Serhij Zhadan „ist mehr als ein Autor. Er ist ein Unikum, beliebt im ganzen Land. Er tritt in der Westukraine ebenso auf wie im Donbass. Und wo er hinkommt, hören die Menschen ihm zu. Als er mit seinen neuesten Roman „Mesopotamien“ beendet hatte, war an den Maidan nicht zu denken. Als er mit ihm auf Lesereise ging floss in Kiev schon das Blut. Meine Bücher, sagt er sind unpolitisch, aber irgendwie haben sie das Pech, ständig von der Politik eingeholt zu werden. Nun (08.08.2015) ist „Mesopotamien“ auch in deutscher Übersetzung erschienen. Mirko Schwanitz hat das Buch gelesen und sich mit Serhij Zhadan getroffen. Weiterlesen

Krim: Gestohlenes Parlament

Die Krimtataren fühlen sich von der Welt vergessen

Mustafa Dshemilev wird die Rückkerh in seiner Heimat-verweigert

Mustafa Dshemilev wird die Rückkerh in seiner Heimat-verweigert

Während die Kämpfe in der Ostukraine trotz des in Minsk vereinbarten Waffenstillstands kein Ende nehmen wollen, gelangen Informationen von der annektierten Krim nur spärlich zu uns. Doch offenbar spitzt sich dort die Situation für die Krimtataren, immer weiter zu. Die 260000 Muslime, stellen auf der Halbinsel die größte nationale Minderheit. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Krimtataren von Stalin als fünfte Kolonne der Deutschen Wehrmacht verunglimpft und in die Steppen Kasachstans deportiert: Mit Beginn der Neunziger Jahre kehrten die Überlebenden der Deportation und deren Nachfahren zurück in ihre alte Heimat. Ihr Land, ihre Häuser aber waren da längst von Russen in Besitz genommen worden. Die pro-russischen Behörden auf der damals noch autonomen Krim taten alles, um den Krimtataren die Rückkehr so schwer wie möglich zu machen. Die neuen Machthaber betrachten die Krimtataren nun mehr oder weniger offen als Feinde.

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Künstler und der Krieg in der Ukraine

Im Osten der Ukraine herrscht Krieg – so berichten es ukrainische Kulturschaffende. Nicht länger wollen ukrainische Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle das verschweigen und gaben in der Berliner Akademie der Künste erstmals Einblicke in die Kultur- und Kunstarbeiten in Zeiten des Kriegs. Auf den vergangen Tagen trafen sie sich auf dem Kongress „Werte und Wandel“ und diskutierten über ihre Rolle während des Umbruchs in der Ukraine. Kann Kunst Motor für den gesellschaftlichen Wandel sein? Und: wie kann sie helfen, die Werte des Euromaidan zu verteidigen? Das sind Fragen, auf die ukrainische Künstler, Theatermacher, Dichter und Schriftsteller eine Antwort suchten. Ein Beitrag von Maximilian Grosser. Weiterlesen

Ukraine: Mutter, Barbie, Kämpferin

Das neue Selbstbewusstsein ukrainischer Frauen

Bei den bevorstehenden Wahlen in der Ukraine plädiert mit Präsident Poroschenko zum ersten Mal ein ukrainisches Staatoberhaupt für die Einführung einer Frauenquote. Und befördert damit indirekt eine in der Ukraine derzeit heftig geführte Debatte: Die Rolle der Frauen bei der Revolution des Euromaidan. Jutta Schwengsbier berichtet. Weiterlesen

Ukraine: Journalisten in den Separatistengebieten unter Druck

Unbeeindruckt von den Präsidentschaftswahlen machen die Separatisten in der Ukraine nach wie vor ihr eigenes Ding. Um ihre Macht zu erhalten setzen sie auf Repressionen und verbreiten zunehmend Angst unter der Zivilbevölkerung. Der dämmert allmählich, wem sie da vertraut hatten. Doch niemand wagt den Mund aufzumachen und zu protestieren. Wer die Waffen hat, hat die Macht. Das spüren auch die Journalisten, die in den Gebieten der Separatisten versuchen, ihren Job zu machen – vor allem die, vorurteilsfrei und neutral versuchen zu berichten. Nicht nur die Fälle von Zensur nehmen zu, auch Kidnapping und Folter von Journalisten sind Alltag in den von Separatisten besetzten Gebieten. Ein Bericht von Mirko Schwanitz und Ivan Gayvanovitsch. Weiterlesen

Geschmack der Räuberbarone

Eine Ausstellung im Kiewer Kunstmuseum zeigt Janukowitschs „Kunstschätze“

 

Die Kämpfe auf dem Maidan scheinen schon in Vergessenheit zu geraten. Nur ihre Folgen sind heute noch zu besichtigen. Dazu gehören aber nicht nur die Bestrebungen separatistischer Kräfte, Teile im Osten der Ukraine abzuspalten. Auch in Kunst und Kultur hinterließen die Kämpfe Spuren. So war z.B. der neo-klassizistische Prunkbau des Nationalen Kunstmuseum seit Jahresbeginn geschlossen, weil er sich damals, auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen in Kiew, sozusagen im Rücken von Janukowytschs Spezialeinheiten befand. Einem Gebiet, dass Sperrgebiet war. Jetzt hat das Museum seine Pforten geöffnet und macht sofort durch eine Sonderausstellung auf sich aufmerksam. Es hat alle Objekte aus Viktor Janukowytschs Residenz zusammengetragen und den bekanntesten postmodernen Maler der Ukraine gebeten, aus ihnen eine Ausstellung zu kreieren. Entstanden ist ein Exposition, die die Betrachter vor Entsetzen staunen lässt und Diskussionen provoziert. Mirko Schwanitz und Ivan Gayvanovich berichten. Weiterlesen

Die Bibliothek des Maidan

Was bleibt vom Kiever Maidan ist eine der häufigsten Fragen, die man dieser Tage auf Podiumsdiskussionen hören kann, auf denen Politiker und Experten im politischen Kaffeesatz lesen. Allmählich, wenn auch sehr langsam verschwinden die noch sichtbaren Zeugnisse des Aufstandes aus dem Kiewer Stadtbild. Es ist nur eine Frage der Zeit, dann wird der Maidan nur noch eine Erinnerung sein. Doch was auch immer passiert – eine der außergewöhnlichsten Institutionen, die dieser Maidan hervorgebracht hat, wird wohl noch da sein, wenn die letzte Barrikade fortgeräumt, das letzte Zelt abgebaut ist. Denn als in Kiev auf den Barrikaden gekämpft wurde brachten die Menschen den Kämpfern nicht nur Tee, Wurst und Butterbrote, sondern immer wieder auch Bücher – und so entstand die vielleicht außergewöhnlichste Bibliothek Europas. Mirko Schwanitz und Ivan Gayvanovich berichten. Weiterlesen

Krim-Konflikt: „Selbsverständlich ist das eine Okkupation“

Interview mit Ali Khamsin – Außenpolitischer Sprecher der Medschlis des Krimtatarischen Volkes

Der Medschlis ist das Parlament der Krimtataren. Der Medschlis wurde 1991 gegründet, um die Rechte des nach seiner Deportation seit Anfang der Neunziger Jahre auf die Krim zurückkehrenden Volkes wahrzunehmen. Die Medschlis entsendet 14 krimtatarische Abgeordnete in den Obersten Rat der Krim. Sie stimmten geschlossen gegen das jetzt von prorussischen Kräften verabschiedete Referendum, das den Anschluss der Krim an Russland legitimieren soll. Weiterlesen