Polen: Die polnische Stadt Gliwice gedenkt den deutschen Juden Oberschlesiens

Jüdisches Begräbnishaus Gliwice

Es wird gebaut im schlesischen Gliwice, Gleiwitz, im Süden Polens. Aufwändig wird derzeit das einst prächtige jüdische Begräbnishaus wieder instand gesetzt und zu einem Museum der oberschlesischen Juden umgewidmet. Erinnert werden in der Einrichtung also vor allem deutsche Juden – denn die Region gehörte bis zum Zweiten Weltkrieg größtenteils zum Deutschen Reich.Doch mit der Ermordung durch die Nazis oder der Flucht hiesiger deutscher Juden ist offenbar auch das Interesse von deutscher Seite an deren reicher Geschichte in der Industrieregion verschwunden. Denn die Stadt Gliwice, die bislang die gesamten Baukosten von knapp 2 Millionen Euro trägt, hat auf ihre Nachfragen nach finanzieller Unterstützung durch deutsche Institutionen keine Rückmeldung erhalten.

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Polen: Resozialisierung radikal

Straftäter in Polen studieren Sozialarbeit

Haftanstalt Lublin

Haftanstalt Lublin

Es ist ein europaweit einmaliges Projekt – polnische Straftäter, unter ihnen Schwerverbrecher, studieren an der katholischen Universität im ostpolnischen Lublin. Nicht Elektrotechnik. Nicht Maschinenbau. Sondern: Sozialarbeit! Und verblüffend: Das Kalkül der Projekt-Initiatorin, einer Psychologieprofessorin, scheint vorerst aufzugehen – einige der Straftäter gehören zu den engagiertesten Studenten. Fünf von ihnen haben wegen überdurchschnittlicher Leistungen gar ein Stipendium erhalten. Sollte die Initiative Erfolg haben, könnte sie auch außerhalb Polens Schule machen. In Deutschland etwa können Häftlinge bislang zwar etwa ein Fernstudium absolvieren mit ausnahmsweisen Besuchen von Wochenend-Seminaren. Etwa 200 Häftlinge nehmen solche Angebote größtenteils an der Fernuni Hagen wahr. Doch ein reguläres Studium an einer Universität inclusive täglicher Seminare an der Hochschule gibt es für deutsche Straftäter nicht, schon gar nicht in Sozialarbeit. Das aber ist Kernelement des Lubliner Projektes. Weiterlesen

Mörder als Gärtner

Über Martin Pollacks „Kontaminierte Landschaften“

Buchcover_Kontaminierte Landschaften

Landschaften können in uns Gefühle der Vertrautheit, der Geborgenheit und der Ruhe hervorrufen. Sie sind unschuldig. Aber sind sie das wirklich? Nein, meint der bekannte österreichische Autor Martin Pollack. Die meisten Landschaften, vor allem die im Osten Europas, aber auch hier bei uns, in Deutschland oder Österreich, so seine These, haben längst ihre Unschuld verloren. Angesichts sanfter Hügel, adonisröschenbewachsener Hänge oder sonnendurchschienener Buchenwälder vergessen wir nur allzuoft, dass in vielen unserer Landschaften unsägliche Verbrechen verübt wurden – meist im Verborgenen und fast immer unter strenger Geheimhaltung. Und viele dieser Orte sind bis heute nicht einmal bekannt. Martin Pollack begibt sich in seinem neuesten Buch auf die Suche nach solch „Kontaminierten Landschaften“. Mirko Schwanitz über das Buch und seinen Autor. Weiterlesen

Andrzej Stasiuk: Kurzes Buch über das Sterben

Andrzej Stasiuk Kurzes Buch über das SterbenAndrzej Stasiuk gehört zu den bedeutendsten polnischen Autoren der Gegenwart. Seine Bücher sind in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Die Bücher des Meisters, der für seine melancholischen und präzisen Porträts untergehender Landschaften und der Peripherien unserer Gesellschaften bekannt ist, zeugten bisher immer von einer gewissen Ruhelosigkeit. Stasiuk war immer ein Reisender, ein Unruhiger auf der Suche. Nun hat er ein kleines Brevier veröffentlicht, das in die völlige Stille mündet, das sich nur mit einem Thema befasst: der letzten Ruhe. Mirko Schwanitz hat Andrzej Stasiuks „Kurzes Buch über das Sterben“ gelesen, hat mit dem Autor Orte der Handlung besucht. Weiterlesen