Volleyball über den Grenzzaun

Proteste gegen neue Grenzbarrieren in Slowenien und Kroatien

DSC_4126 Radetic

Es ist die Zeit der Zäune und Mauern. Nicht nur an den Außengrenzen der EU. Slowenien, das erste osteuropäische Land, das in die EU aufgenommen wurde, errichtet jetzt nach Victor Orbans Vorbild Stacheldrahtzäune zum EU-Nachbarn Kroatien. Die kroatischen und slowenischen Behörden schauen inzwischen aber verdutzt auf den Widerstand, der sich im istrischen Grenzland gegen den Zaun formiert. Die Menschen der Region, bekannt für ihre Toleranz, ihr friedliches Zusammenleben und für ihre Mehrsprachigkeit sind empört. Immer mehr Bürgerinitiativen gründen sich und machen mit Aktionen auf ihren Protest aufmerksam. Bojana Radetic und Mirko Schwanitz berichten. Weiterlesen

György Dragoman und die Bedeutung der Mythen in Osteuropa

György Dragoman Der ScheiterhaufenBereits mit seinem ersten Roman „Der weiße König“ erregte der ungarische Autor György Dragoman Aufmerksamkeit. In ihm berichtete er über einen kleinen Jungen, der versucht, in der bizarren Welt des rumänischen Diktators Ceausescu zu überleben. Auch in seinem neuen, soeben erschienenen Roman „Der Scheiterhaufen“ beschäftigt sich Dragoman mit dem Ende der Diktatur in Rumänien. Und doch geht es dem Autor, der mit seinen Eltern 1988 im Alter von 15 Jahren Rumänien verließ und seitdem in Ungarn lebt, nicht vordergründig um Rumänien. Sein Roman beschäftigt sich vor allem mit der Frage, wie wir alle Geschichte schreiben und was uns dabei beeinflusst. Entstanden ist dabei eine unter die Haut gehende Geschichte und ein magischer Moment der osteuropäischen Literatur. Mirko Schwanitz, hat den Autor György Dragoman getroffen. Weiterlesen

Brandenburg: Eine Herbstreise zu Märkischen Machern

Volker Müller-Hagenbeck

Erfinder der Annenwalder Schiffchen: Volker Müller-Hagenbeck

Im Juni reiste unser Autor Mirko Schwanitz schon einmal zu Brandenburger Unternehmern, alle mit recht ausgefallenen Geschäftsideen. Die einen entwickelten ein Weinschwein, ein anderer baute in Frankfurt Oder U-Boote, züchteten Blutegel oder destillierten trinkbares Flugbenzin. Folgen Sie heute Mirko Schwanitz doch auf seiner zweiten Tour. Wir können Ihnen versprechen, dass er wieder interessante Menschen getroffen hat, einen Mann der Schiffe für Häfen aus Sand baut, einen Mann der im 21. Jahrhundert die Goldenen Zwanziger Jahre konserviert oder einen, der den ersten vollelektronischen Schlüsselbund erfand. Sie werden einen Kerzenmacher kennenlernen, den sie nicht kennen, aber dessen Kerzen jeder von Ihnen, schon einmal gesehen hat. Und dranbleiben sollten sie in jedem Fall, wenn Sie wissen wollen, wie man Mondlandschaften in Naturschutzgebiete verwandelt…. Weiterlesen

Georgi Gospodinov: Geschichten erzählen in Zeiten der Krise

Der bulgarische Schriftsteller Georgi Gospodinov ist einer der wichtigsten Schriftsteller seines Landes. Immer wieder nimmt er nicht nur in Bulgarien Stellung zu aktuellen politischen Ereignissen. Gospodinov gehört auch zu jenen Schriftstellern, die vehement die These vertreten, dass Literatur gerade in jenen Zeiten eine wichtige Funktion habe, in der die Stimmen der Vernunft kaum zu hören sind. Und so irritiert ihn angesichts der aktuellen Ereignisse, wie viele Schriftsteller in Europa angesichts des Umgangs mit den syrischen Flüchtlingen noch schweigen würden. Weiterlesen

Georgien: „adibas“ – der neue Roman des georgischen Autors Zaza Burchuladze

Zaza Burchuladze

Kein Buch der letzten Jahre, hätte ihn mit solcher Begeisterung erfüllt, schreibt  der bekannte ukrainische Autor Jury Andruchowytsch in seinem Vorwort zu „adibas“ – einem Roman des georgischen Schriftstellers Autors Zaza Burchuladze. Andruchowytschs russischer Kollege Vladimir Sorokin bezeichnete das Buch als eine hochkomische und zugleich tieftraurige Geschichte, die ihn sehr bewegt habe. Zaza Burchuladze hat in Tiflis Malerei studiert bevor er sich dem Schreiben widmete. Mit seinen bissigen, ja geradezu wütenden Gesellschaftsporträts und seinen provokativen Auftritten bei Lesungen und in Fernsehshows hat er sich in seiner Heimat Georgien viele Feinde gemacht. Weiterlesen

Belarus: „Jeder Deal ist nutzlos“ – die Situation weissrussischer Künstler nach den Wahlen

Zmitzer Vajcuschkevitsch

Zmitzer Vajcuschkevitsch

In Weissrussland hat Alexander Lukaschenko am vergangenen Wochenende die Präsidentschaftswahlen gewonnen. Kein Wunder, hatte er doch zuvor dafür gesorgt, dass es keine nennenswerte Opposition und damit auch keinen nennenswerten Gegenkandidaten gibt. Nach seinem erneuten Wahlsieg darf sich Lukaschenko nun „dienstältester Diktator“ Europas nennen. Er fühlt sich so sicher in seinem Sattel, dass er in einem Anfall von Herzensgüte die letzten politischen Gefangenen freiliess. Weiterlesen

Kroatien: Solidarität ist eine Sanduhr – Kroatische Intellektuelle  zur Flüchtlingskrise

An der Flüchtlingskrise könnte Europa scheitern. Davor warnen inzwischen nicht nur  Staats- und Regierungschefs oder Politiker fast jeder Couleur. Auch Intellektuelle melden sich zu Wort. Anders als die politische Klasse warnen sie nicht vor dem Flüchtlingsansturm – sondern vom Umgang der von Europas politischen Führungen mit der Krise. Der kroatische Autor Miljenko Jergovic geißelt in Kommentaren für Zeitungen wie „Jutarni List“ die „verlogene Politik“ der kroatischen Regierung. Offen prangert er Politiker für ihren „faschistoiden Sprachgebrauch gegenüber den Flüchtlingen“ an. Der bekannte Journalist Ladislav Tomicic bekennt: „Das ist keine Krise. Das ist eine permanente Lage.“ Und auch die Schriftstellerin Ivana Bodrozic meldet sich in ihrem Land immer wieder zu Wort. Mirko Schwanitz berichtet. Weiterlesen

„Der erste Horizont meines Lebens“ – die Welt der moldauischen Autorin Liliana Corobca

Liliana Corobca Der erste Horizont meines LebensKinder in einer Welt ohne Eltern?  Nein, das ist nicht der Stoff für einen utopischen Roman oder für ein Buch über neue Formen der Reproduktionsmedizin. Es gibt diese Welt. Eine Welt, die für tausende Kinder  nicht utopisch, sondern Alltag ist Laut UNICEF wachsen 117 000 Kinder in der Republik Moldau ohne Mutter und Vater auf. In  Rumänien sind es 350 000. In der Ukraine 1,2 Millionen. Die meisten Eltern sind gezwungen, ihr Geld im Ausland zu verdienen. Ab und zu ist über diese Kinder berichtet worden.  Dann haben wir sie wieder aus dem Blick verloren.  Zuviel Elend. Zu viele Krisen. Und große Fernsehbilder geben diese Kinder auch nicht her. Es sind die Kinder von Eltern,  die gezwungen sind,  ihr Geld im Ausland zu verdienen – die als  Erntehelfer bei unseren Bauern, als Pflegerinnen in unseren Pflegheimen, als Bauarbeiter auf unseren Baustellen arbeiten. Weiterlesen

Belarus: „Wir versteigern uns selbst“ – wie Start-ups Lukaschenkos Allmachtanspruch untergraben

Belarus hat gewählt. Schon vorher stand fest. Es kann keinen anderen Sieger als Präsident Lukaschenko geben. Doch was heißt das für die belarussische Wirtschaft? Da das Land 50 Prozent seines Außenhandels mit Moskau abwickelt, bekommt das Land die Folgen der russischen  Wirtschaftskrise seit langem massiv zu spüren: Die Staatsbetriebe müssen immer öfter Mitarbeiter entlassen. Und die spüren dann auch noch die Folgen der galoppierenden Inflation. Die betrug im letzten Jahr 18 Prozent. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres noch einmal 14 Prozent. Weiterlesen

Mesopotamien – der neue Roman von Serhij Zhadan

„Anarchy in the U.K.R“, “Depeche Mode”, Hymne an die demokratische Jugend”, „Die Erfindung des Jazz im Donbass“ – die Romane des ukrainischen Autors Serhij Zhadan sind in seiner Heimat allesamt Kult. Ebenso wie seine Auftritte mit der Band „Sobaki v Kosmosje“ – was so viel heißt wie „Hunde im Weltall.“ Serhij Zhadan „ist mehr als ein Autor. Er ist ein Unikum, beliebt im ganzen Land. Er tritt in der Westukraine ebenso auf wie im Donbass. Und wo er hinkommt, hören die Menschen ihm zu. Als er mit seinen neuesten Roman „Mesopotamien“ beendet hatte, war an den Maidan nicht zu denken. Als er mit ihm auf Lesereise ging floss in Kiev schon das Blut. Meine Bücher, sagt er sind unpolitisch, aber irgendwie haben sie das Pech, ständig von der Politik eingeholt zu werden. Nun (08.08.2015) ist „Mesopotamien“ auch in deutscher Übersetzung erschienen. Mirko Schwanitz hat das Buch gelesen und sich mit Serhij Zhadan getroffen. Weiterlesen