Künstler und der Krieg in der Ukraine

Im Osten der Ukraine herrscht Krieg – so berichten es ukrainische Kulturschaffende. Nicht länger wollen ukrainische Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle das verschweigen und gaben in der Berliner Akademie der Künste erstmals Einblicke in die Kultur- und Kunstarbeiten in Zeiten des Kriegs. Auf den vergangen Tagen trafen sie sich auf dem Kongress „Werte und Wandel“ und diskutierten über ihre Rolle während des Umbruchs in der Ukraine. Kann Kunst Motor für den gesellschaftlichen Wandel sein? Und: wie kann sie helfen, die Werte des Euromaidan zu verteidigen? Das sind Fragen, auf die ukrainische Künstler, Theatermacher, Dichter und Schriftsteller eine Antwort suchten. Ein Beitrag von Maximilian Grosser. Weiterlesen

Zukunfts-Monopoly in der Republik Moldau

Nicoleta Esinencu und ihr bitterer Blick auf die Revolutionen vor 25 Jahren
Tatiana Miron in American Dream

Die rumänische Theaterregisseurin Nicoleta Esinencu bricht mit ihren Theaterstücken immer wieder Tabus. Dafür musste sie allerdings ihr eigenes unabhängiges Theater in Chisinau, der Hauptstadt der Republik Moldova, beziehen. Dennoch geben sich in ihrer Untergrundbühne „Spalatorie“ (Wäscherei) internationale Theaterkuratoren die Klinke in die Hand, wenn sie ein neues Stück inszeniert. Auch weil Nicoleta Esinencu weiß mit ihren Stücken etwa über die Mittäterschaft Moldovas am Holocaust oder über die auch dort tief verwurzelte Homophobie zu immer wieder schocken. Nun war ihre neues Stück „American Dream“ als Teil einer Premierenreihe erstmals in Berlin zu sehen. Esinencus Inszenierung blickt dabei zurück auf 25 Jahre Mauerfall und seine Auswirkung in Osteuropa. Maximilian Grosser hat das Stück gesehen. Weiterlesen

Juden im »Tatort« und Schwarze in den Schlagzeilen

Eine internationale Konferenz erforscht Rassismus in den Medien

medien und minderheiten

Muslime in der Mittelschicht, Schwarze als Rechtsanwälte oder Juden ohne Kippa? Geschichten die auch in deutschen Medien nur sehr selten vorkommen – vorherrschend sind meist stereotype Bilder, wenn über Minderheiten berichtet wird. Roma tauchen oft nur als sogenannte Armutsflüchtlinge und Gefahr für das Sozialsystem auf. Und der Islam wird mit Fanatismus und Terrorismus gleichgesetzt. Grund dafür ist, dass Minderheiten nur einen Nachrichtenwert haben – um es einmal zugespitzt auszudrücken – wenn sie Probleme machen und negativ auffallen. Dieser Umgang mit Vorurteilen in Medien war nun auch Thema einer Konferenz in Berlin. Hier trafen sich internationale Medienforscher, um ihre Beobachtungen, um über das Verhältnis von „Medien und Minderheiten“ – so der Titel des Treffens – zu diskutieren. Doch nicht nur Nachrichten fördern stereotype Bilder, wie Maximilian Grosser zeigt. Weiterlesen

Bibliothek 2.0 als Megaspace der Stadtgesellschaft

Warum die Amerika-Gedenkbibliothek zum Jubiläum in Schwierigkeiten steckt

 

Amerika Gedenk-Bibliothek-3

Das Ur-Modell aller öffentlichen Bibliotheken im Deutschland der Nachkriegszeit feierte am 17. September seinen 60. Geburtstag – Berlins Amerika-Gedenk-Bibliothek. Sie war ein Geschenk des amerikanischen Volkes und wurde zum Symbol deutsch-amerikanischer Freundschaft. Allerdings ist die einst so visionäre Bibliothek in die Jahre gekommen und kann mit den heutigen Anforderungen einer Internetgesellschaft nicht mehr mithalten. Trotz dieses Mankos ist die Bibliothek begehrtesten Kultureinrichtung der Hauptstadt. Maximilian Grosser erklärt, warum. Weiterlesen

Moldau: Auf dem Weg in Putins Zollunion?

Wie Putin im Schatten des Krim-Konflikts gegen die Republik Moldau vorgeht

Auf dem Wega nach Gagausien

Im Schatten der Krim-Krise, setzt Putin auch andere ehemalige Sowjetrepubliken unter Druck. Sein nächstes Ziel: Die Republik Moldau soll in eine postsowjetische Freihandelszone fern der EU einverleibt werden. Bisher nutzt er wirtschaftliche Druckmittel: erneut wurde die Einfuhr moldauischer Weine nach Russland erschwert und den ersten 20.000 von knapp einer halben Million moldauischen Gastarbeitern die Wiedereinreise nach Russland verwehrt. Nun startet Russland den nächsten Schachzug: Es will die autonome Region der gagausischen (gaga – usischen) Minderheit  in der Republik Moldau dazu ausnutzen, das geplante EU-Assoziierungsabkommen zu verhindern. Ein Beitrag von Simon Ciochină und Maximilian Grosser.

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Kämpferin gegen Feminzide in Mexiko

 Imelda Marrufo und ihr Kampf um Frauenrechte in der „Stadt der toten Frauen“

Imelda Marrufo Nava

Juristn und Fraurenrechtlerin Imelda Marrufo Nava (c)boell.de/stephan-roehl.de

Im Ranking der gefährlichsten Städte der Welt belegt die nordmexikanische Stadt Ciudad Juarez seit Jahren immer einen der vorderen Plätze. Verantwortlich dafür sind die seit Jahren andauernden Kämpfe von Drogenkartellen untereinander – allein 2000 Tote forderten sie 2010. Nur vier Prozent der Verbrechen werden hier je aufgeklärt. Opfer dieses permanenten Klimas von Gewalt und Straflosigkeit sind immer wieder auch Frauen, die auf brutale Weise ermordet werden. Inzwischen ist die als Feminizid bekannte Mordserie weltbekannt: der Schriftsteller Roberto Bolano hat sie etwa in seinem Roman „2666“ beschrieben, der Film „Im Paradies der Mörder“ hat einen tiefen Einblick in den mühevollen Kampf um die Rechte von Frauen gegeben.

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Ungarns Theater am Scheideweg

Zum ersten Mal trafen sich am Wochenende Ungarns verfeindete Theatermacher auf neutralem Boden. In Berlin trafen Àrpád Schilling von der freien Theaterstiftung Kretakör, György Szabó vom alternativen Kunsthaus Trafó auf den als regierungsnah geltenden Nationaltheaterintendanten Attila Vidnyánszky. Der setzt sich ein für eine sakrale, monumentale Theaterästhetik, die Nationalstolz und religiösen Glauben huldigt. Den kritischen Positionen des freien Theaters kann Vidyánszky nichts abgewinnen. Auf Initiative der Heinrich-Böll-Stiftung und des Vereins mindpirates stritten die drei Theatermacher über die Zukunft des Theaters im Ungarn des Viktor Orban. Weiterlesen

Japan: Wohnen im Manga-Café

 

                                              Akihiro Satoh

Akihiro Satoh

Japans Verlierer in der Finanzkrise sind die Zeitarbeiter. Ihr Anteil liegt bei knapp einem Drittel auf dem Arbeitsmarkt. Gerade zu Beginn des Jahres verloren sie im Wirtschaftsabschwung zu Tausenden ihren Job und gleichzeitig ihre Wohnung. Um sich vor der Obdachlosigkeit zu schützen, flüchten sie in die rund um die Uhr geöffneten Mangacafés. Dort können sie übernachten, duschen und Wäsche waschen. Und im Internet nach neuen Jobs schauen. Akihiro Satoh hat auf diesen Trend mit dem passenden All-Inclusive-Tarif reagiert. Die Krise trifft ihn nicht. Während an der Börse die Kurse fallen, kann er expandieren. Ein Beitrag von Maximilian Grosser. Weiterlesen