Kein Krieg, keine Katastrophe – vom Wandel in Lettlands Fischerdörfern

Fischer in Bercziems beim Reusensetzen

 

Als Lettland den Beitrittsvertrag zur EU unterschrieb, ahnten die lettischen Fischer noch nicht, was der Vertrag für sie bedeuten würde. Der Vertrag sah vor, die lettische Fischfangflotte nicht zu vergrößern. Gleichzeitig wurden den Schiffsbesitzern Entschädigungen weit über dem Marktwert angeboten, wenn sie ihre Schiffe verschrotten. Viele von ihnen sahen nur das schnelle Geld und bedachten nicht die Folgen. Denn wer die Entschädigung kassierte, musste unterschreiben, mit dem Geld kein neues Fischerboot zu kaufen. Weiterlesen

Riga: Kulturhauptstadt und Nazikollaboration

Wie die lettische Hauptstadt ihr geschichtliches Erbe aufarbeitet

Riga ist in diesem Jahr neben Umea in Schweden die Europäische Kulturhauptstadt. „Force Majeure“ lautet das Motto des Jahres, zu Deutsch: höhere Gewalt. 200 Veranstaltungen soll es geben, darunter Konzerte, Opern- und Singfestivals oder zeitgenössische Kunstausstellungen. Doch auch die Vergangenheit spielt im Kulturhauptstadtjahr eine Rolle – und zwar nicht nur im Rahmen einer großangelegten Ausstellung über den 100. Jahrestag des Ersten Weltkriegs. Das Kulturhauptstadtjahr will zur geschichtlichen Auseinandersetzung auch über die dunklen Flecken der lettischen Geschichte anregen, hat Markus Nowak herausgefunden. Weiterlesen

Lettlands kulturelles Erbe

Rettungsmission für deutschbaltische Herrenhäuser

Herrenhaus Kuksumuiza

Herrenhaus „Kukšu muiža“

Wie steingewordene Vergangenheit stehen rund 1400 alte Herrenhäuser und Schlösser in Lettlands schönsten Naturlandschaften. Die Häuser zählen inzwischen zum vielbeachtetem Kulturerbe des Landes. Doch die arme Baltenrepublik hat wenig Geld und so sind die meisten der architektonischen Juwele dem Verfall preisgegeben. Eines der wenigen, für das das nicht zutrifft ist „Kukšu muiža“. Auch diese riesige Villa, dämmerte einem langsamen Tod des Verfalls entgegen – bis der Deutsche Daniel Jahn sich in das Gemäuer verliebte. Inzwischen hat der ehemalige Hoteldirektor dem Gebäude wieder das gemacht, was es einmal war – eines der schönsten Herrengüter unweit der Hauptstadt Riga. Bislang ist das aber noch ein Tropfen auf den heißen Stein, um das kulturelle Erbe zu bewahren.Ein Beitrag von Toms Ancitis und Mirko Schwanitz.

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Lettlands Bio-Boom

Regenwurmzucht als Geschäftsmodell

Regenwurmzucht

Janis Sprukts und Irena Tereskovica

In Lettland sprießen derzeit zahlreiche neue Startups aus dem Boden. Eigentlich müsste man besser sagen, sie sprießen nicht aus dem Boden, sondern sie produzieren Boden, noch genauer gesagt Bio-Humus. Grundlage der Innovation ist der sogenannte rote kalifornische Regenwurm, eine Kreuzung erschiedener Regenwurmarten, die vor rund 50 Jahren in USA gezüchtet wurde. Seit einigen Jahren ist dieser Regenwurm in Lettland zu einem regelrechten Wirtschaftsfaktor geworden. Denn dieser Regenwurm kann sich rasend schnell vermehren und frisst zudem außergewöhnlich viel. Das bedeutet, diese Gattung produziert auch besonders viel Bio-Humus.  Weiterlesen

Eine Reise durch die Zeiten

Unterwegs mit Lettlands letzter Schmalspurbahn

Gulbene, eine rund 200 Kilometer von Riga entfernte lettische Kleinstadt, ist Ausgangspunkt und Endstation der letzten Schmalspurbahn des Baltikums. „Banitis“, was übersetzt so viel wie das Bähnchen heißt, sieht tatsächlich aus wie ein richtiger Eisenbahnzug, nur eben im Miniaturformat. Die Schienen sind nur 750 Millimeter breit. Die Lokomotive ist nur 32 Tonnen schwer. Aleksandr Belajev, ein dünner Mann mit Schnurrbart und braun gebranntem Gesicht, fährt diese Miniatur-Lokomotive schon fast sein ganzes Eisenbahnerleben lang. Toms Ancitis und Jutta Schwengsbier haben ihn auf einer Reise durch vergangene Zeiten begleitet. Weiterlesen

Kinder als Streitschlichter

In Lettland sollen Kinder Konflikte entschärfen und Minderheiten integrieren

Wie kann man einander fremde Gruppen innerhalb einer Gesellschaft integrieren? Wie könnte aus Feindschaft Freundschaft werden? Wie kann es gelingen, dass Israelis und Palästinenser gegenseitige Vorurteile abbauen? Oder Deutsche und Türken sich weiter näher kommen? Wie könnten Nordiren und Iren in Belfast ihre Konflikte lösen? Oder bosnische Muslime und orthodoxe Serben in Sarajevo? Das kleine Lettland macht vor, wie es vielleicht gehen könnte. Seit die Mehrheit der Letten im vergangenen Jahr die Einführung des Russischen als zweite Amtssprache ablehnte, verhärten sich auch hier die Fronten zwischen Mehrheitsbevölkerung und russischer Minderheit. Die Russen igeln sich in ihren Stadtvierteln ein. Wer nicht will, muss hier nicht Lettisch sprechen – Amtssprache hin oder her. Doch für die junge Generation werden die gegenseitigen Vorurteile allmählich zum Problem und für Lettlands Zukunft selbst bergen sie enormen sozialen Sprengstoff. Nun will die Regierung die verhärteten Fronten mit einem Programm aufbrechen, dass auf die verbindende Kraft von Kindern setzt. Mirko Schwanitz und Tom Ancitis berichten. Weiterlesen