Armenien: Armen Sahakjan und die sterbenden Handschriften

Unweit vom Zentrum der armenischen Hauptstadt Yerewan liegt der Berg Hagthanak. An seinem Fuße, nur über zahlreiche Treppenstufen zu erklimmen, steht ein etwas düster wirkendes Gebäude –  bewacht von der Statue des Mesrop Mashtots, dem Erfinder des armenischen Alphabets. Matenadaran nennen die Armenier das Gebäude, was übersetzt einfach nur „Bibliothek“ heißt. Dennoch steht ein Besuch dieses Gebäudes auf dem Programm fast aller Armenien-Touristen. Denn in einem Teil des Hauses gibt es ein Museum alter Handschriften – so alt, dass die UNESCO die Sammlung zum Weltdokumentenerbe erklärt hat. Weiterlesen

„Wir sind keine Beute!“ – Massenproteste erschüttern Armenien 

Tausende blockieren in Armeniens Hauptstadt Yerewan nach wie vor mehrere Hauptverkehrsstraßen. Auslöser der Proteste: Eine angekündigte Erhöhung der Strompreise. Der Versuch der Regierung, die Menschen mit einem harten Polizeieinsatz unter Einsatz von Schlagstöcken und Wasserwerfen zu vertreiben misslang. Seit nunmehr 14 Tagen harren die Menschen Tag und Nacht aus und fordern die Rücknahme der Strompreiserhöhung. Russland beobachtet die Proteste argwöhnisch, einige Politiker sehen bereits die Gefahr eines „armenischen Maidans“. Weiterlesen

Armenien: „Wake up the souls“

Wie armenische Künstler die Folgen des Völkermords diskutieren

Am 24. April jährt sich der 100. Gedenktag des Genozids an den Armeniern. Noch nie wurde das Thema so breit diskutiert. Während in den USA, Deutschland und anderen Ländern noch heftig darüber diskutiert wird, ob der Begriff „Völkermord“ angebracht ist, thematisieren armenische Künstler ihre Jahrhunderte lange Rolle als Opfer und die Folgen des Genozids für ihre Gegenwart. Auch für die im Ausland lebenden Armenier ist der Völkermord noch sehr präsent. Weiterlesen

Armenien: Jerewan – eine Stadt sucht ihre Altstadt

Jerewans Altstadt

Am 18. April ist der Internationale Tag des Denkmals. Als Tag der Erinnerung an Geschichte und Geschichten. In Jerewan, einer der ältesten Städte Europas, ist von dieser Geschichte nicht mehr viel zu sehen. Tatsächlich hat die Stadtverwaltung von Jerewan, in der Sowjetunion noch als „die leuchtende Stadt“ beliebt, in den Jahren seit dem Zusammenbruch des Sozialismus das Stadtbild gründlich zerstört. Das, was noch übrig ist, muss man suchen. Ani Matevosyan zur Geschichte Jerewans, und was davon noch übrig ist. Weiterlesen

Hans-Werner Kroesingers Neuinszenierung von Werfels „Vierzig Tage(n) des Musa Dagh“

In diesem Jahr jährt sich die Rettung von mehr als 4000 Armeniern vom Berg Musa Dagh durch Schiffe der französischen Marine vor 100 Jahren. Sieben armenische Dörfer hatten sich angesichts des im Osmanischen Reich wütenden Genozids entschlossen, auf den Berg nahe der syrischen Grenze zu ziehen und sich dort zu verteidigen. Mit Erfolg: sie wurden gerettet, während fast eine Million Armenier von den Türken auf bestialische Weise umgebracht wurden. Nun setzt sich der deutsche Dokumentarregisseur Hans-Werner Kroesinger in einer Inszenierung erneut mit den „40 Tagen des Musa Dagh“ auf Basis des Romans von Franz Werfel auseinander. Durch die Verbindung mit Dokumenten aus dem Auswärtigen Amt und aktuellen Bundestagsdebatten verleiht Kroesinger dem Stoff Aktualität und Brisanz. Die Frage steht im Raum: Hat sich Deutschland mitschuldig gemacht am ersten bekannten Völkermord? Jutta Schwengsbier berichtet. Weiterlesen

Was ist los in Nagorny Karabach?

Zerstörte aserbaidschanische Stadt in der besetzten Sicherheitszone

Zerstörte aserbaidschanische Stadt in der besetzten Sicherheitszone

Als die in Aserbaidschan liegende, überwiegend von Armeniern bewohnte autonome Region Nagorny Karbabach sich 1988 in Übereinstimmung mit der Verfassung der Sowjetunion für unabhängig erklärte, antwortete man in Aserbaidschan mit Pogromen gegen die armenische Minderheit. Sie waren der Auslöser für vier Jahre dauernden blutigen Krieg. Er kostete 30 000 Menschen das Leben und machte über eine Million zu Flüchtlingen. Seit 1994 herrscht Waffenstillstand, aber kein Frieden. Zudem halten die Karabach-Armenier große Teile aserbaidschanischen Territoriums als sogenannte Sicherheitszonen rund um ihre von niemandem anerkannte Republik besetzt. Weiterlesen

Schach, aber nicht Matt

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Armenien eines der ärmsten Länder der Welt. Die „zweitschlechteste Volkswirtschaft der Welt“, wie das Magazin „Forbes“ vor kurzem schrieb, besinnt sich nun auf ihre einzige Ressource – die Köpfe der Menschen. „Um die Gehirne der Armenier zu trainieren, haben wir als erstes Land der Welt Schach zum Pflichtfach gemacht“. erklärt der berühmte armenische Schachmeister Smbat Lputjan. Es ist nicht mehr und nicht weniger als der Versuch, das Land zu retten. Es soll wieder so viele begnadete Künstler und Handwerker hervorbringen, wie vor dem türkischen Genozid, in dem die gesamte armenische Elite vernichtet wurde. „Deshalb lernen seit letztem Herbst alle Sieben bis Zehnjährigen Schach, zweimal die Woche.“, erklärt Lputjan seine Mission. Ani Matevosyan berichtet. Weiterlesen

Keine goldenen Aprikosen

Zu Besuch bei der ‚Berlinale des Kaukasus‘

Begründer und Generaldirektor des Festivals Harutyun Chatschatryan

Begründer und Generaldirektor des Festivals Harutyun Chatschatryan

 

Jedes Jahr treffen sich in Armeniens Hauptstadt Yerewan Filmemacher zum wichtigsten Filmwettbewerb der Region – das „Golden Apricot“-Festival ist so etwas wie die Berlinale der Bergvölker des Kaukasus. Dabei geht es um mehr, als nur darum Filme zu sehen – denn hier treffen Künstler aus immer noch verfeindeten Nationen wie Armeniens und der Türkei aufeinander. Zugleich wollen die Initiatoren die Filmemacher der Region mit der internationalen Filmszene verbinden und die auf die eigenen Produktionen aufmerksam machen. Nicht zuletzt durch sogenannte „Meisterklassen“, in denen bekannte Regisseure ihre Erfahrungen an die kaukasischen Kolleinnen und Kollegen weitergeben. Ani Matevosjan und Mirko Schwanitz berichten. Weiterlesen