Ukraine: Journalisten in den Separatistengebieten unter Druck

Unbeeindruckt von den Präsidentschaftswahlen machen die Separatisten in der Ukraine nach wie vor ihr eigenes Ding. Um ihre Macht zu erhalten setzen sie auf Repressionen und verbreiten zunehmend Angst unter der Zivilbevölkerung. Der dämmert allmählich, wem sie da vertraut hatten. Doch niemand wagt den Mund aufzumachen und zu protestieren. Wer die Waffen hat, hat die Macht. Das spüren auch die Journalisten, die in den Gebieten der Separatisten versuchen, ihren Job zu machen – vor allem die, vorurteilsfrei und neutral versuchen zu berichten. Nicht nur die Fälle von Zensur nehmen zu, auch Kidnapping und Folter von Journalisten sind Alltag in den von Separatisten besetzten Gebieten. Ein Bericht von Mirko Schwanitz und Ivan Gayvanovitsch.

 

Mit dem Abschuss des malaysischen Verkehrsflugzeuges haben die Separatisten noch einmal den Druck auf Journalisten in den von ihnen beherrschten Gebieten erhöht. Seit Ausrufung der sogenannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk sind Rundfunksender, Redaktionen von Internetportalen und Zeitungen Ziel von Angriffen. Jetzt aber werde die Situation geradezu unerträglich, erklärt die Medienexpertin Kateryna Djatschuk:

Die Redaktionen werden angegriffen. Ganze Auflagen von Zeitungen werden zensiert und verboten. In Lugansk etwa wurden Kopfgelder in Höhe zwei- bis 10 000 Dollar auf Journalisten ausgesetzt.

 

Kateryna Djatschuk, setzt sich seit Jahren beim Institut für Masseninformation in Kiev für Pressefreiheit ein. In den letzten Wochen macht sie sich zunehmende Sorgen um die körperliche Unversehrtheit und das Leben ihrer Kollegen in den Separatistengebieten.

Seit der Besetzung der Krim durch Russland, registrieren wir Entführungen. Jetzt setzt sich das im Osten der Ukraine fort.

Ruslan Kuchartschuk ist einer von bisher 59 entführten Journalisten.

Es wurde mir befohlen, mich mit dem Gesicht auf den Boden zu legen. Sie zogen mir eine Tüte über den Kopf und drückten mir den Lauf einer Maschinenpistole in den Rücken. Sie verprügelten mich Schlagstöcken und Fäusten – ja, das habe ich erlebt.

Nach 13 Stunden ließen ihn seine Peiniger aus unerfindlichen Gründen wieder frei. Mehr noch als die Schläge mache ihm die Gesinnung der Schläger Angst. Sie sei fremdenfeindlich und offen antisemitisch. Eine online-Journalistin aus Lugansk verweist darauf, dass alle Medien in der Stadt Oligarchen gehören, die heimlich mit den Separatisten sympathisieren. Sie hat Angst ihren Namen zu nennen, will nur am Telefon spreche.*

Bei uns sind Medien lediglich ein Instrument der Propaganda. Da lesen oder hören sie keine Meinung der Bevölkerung, oder der Journalisten. Sie lesen oder hören dort die Meinung einer Gruppe von Menschen, die die Meinung der ganzen Region manipulieren.

Kritische Zeitungs- und Onlineredaktionen bekämen nicht selten „Besuch“ von bewaffneten maskierten Männern. Deshalb sei es kein Wunder, dass in den Medien der Separatistengebiete die gleichen Lügen zu finden sind, wie in den russischen Medien.

Es wird allen hier eingeimpft, dass die malaysische Maschine durch die ukrainische Armee abgeschossen wurden. Alle Erkenntnisse der internationalen Experten werden verschwiegen. Die Bevölkerung soll glauben, dass die ganze Welt unser Feind ist und Russland unser einziger Freund.

Selbst bei Pressekonferenzen wird den lokalen Journalisten oft der Zutritt verweigert. Lediglich Journalisten russischer Medien erhalten überall ungehindert Zutritt, erklärt Kataryna Djatschuk

In der Ukraine wurde für diese Journalisten inzwischen ein eigener Begriff geprägt. Sie werden als Informationsterroristen bezeichnet. Gemeint sind damit all jene Journalisten, die sich offen auf die Seite derer stellen, die Terror befürworten, Geiseln nehmen und offen Gewalt ausüben.

 

*Name ist den Autoren bekannt

Produziert für SWR 2 Kontext.