Georgien: Matzoni – Als Joghurt einfach genial

Matzoni – ein weißer sauerer Joghurt, ist in Georgien ein wichtiger Teil des täglichen Lebens. Es gibt etwa ähnliches, in Armenien und Aserbaidschan, aber auch in Griechenland, der Türkei oder Bulgarien, wo man den „Matzoni“ „Kiselo Mljako“ nennt. Georgier kaufen den Matzoni bis heute direkt von Bauern. Weil er einfach besser schmeckt und vom Baby bis zu alten Leuten täglich gegessen wird. Über ihre geliebte Nationalspeise berichtet Edita Badasyan.

Fast täglich klingen diese Rufe durch die Höfe meiner Heimatstadt Tiflis. Blieben sie länger als zwei Tage aus, würde ich sofort den Fernseher einschalten und mich fragen, was Schlimmes über unser Land hereingebrochen ist. Seit ich klein bin, öffnen sich in Tiflis Türen und Fenster, wenn draußen jemand „Matzoni!“ brüllt. Frauen und Männer laufen dann mit Töpfen und Bechern nach draußen// zu den Verkäufern, die überall in der Stadt ihren selbst produzierten Joghurt anbieten. Ich persönlich kaufe meinen Matzoni seit ich denken kann bei Nanuli und Gogi, einem alten Bauernehepaar. Ihr Matzoni schmeckt besser als alle anderen – aber warum? Um ihr Geheimnis herauszufinden, fahre in ihr Dorf Ckhneti, 12  Kilometer vor den Toren von Tiflis.

Das Dorf Ckhneti ist ganz grün. Hier ist es etwas kühler als in Tiflis. Und die Häuser haben alle größere Innenhöfe. Es ist Abend und Oma Nanuli melkt ihre Kühe.

Wir haben hier fette Milch. Deswegen haben wir guten Matzoni. Hier, kosten sie. Erst die Milch und dann den Matzoni. Aus 5 Litern Milch machen wir 10 Becher voll Matzoni. Probieren sie. Das ist besser als es zu beschreiben.

 

MMM…. stimmt. Matzoni von Nanuli und Gogi zergeht auf der Zunge. Nicht zu vergleichen mit Joghurts aus dem Supermarkt, die alle gleich schmecken: Nach schleimig-neutralem Nichts. Dagegen wird der traditionell hergestellte Joghurt den Bauern wirklich aus den Händen gerissen. Meine erste Erinnerung ist, wie mir meine Mutter einen Löffel süßen Matzoni in den Mund schiebt. Und das geht nicht nur mir so.

Ohne Matzoni leben? Das kann sich in Georgien niemand vorstellen. Alle essen ihn. Er schmeckt zu vielen Gerichten. Beim Backen kommt Matzoni in den Teig. Wir essen Matzoni mit Zucker, mixen ihn mit Früchten zur Erfrischung, reiben Knoblauch hinein, essen ihn zu Pasta, Reis– oder  Kartoffelgerichten und zu gefüllten Weinblättern.

 

Aber Matzoni schmeckt nicht nur lecker. Er ist auch gesund und hilft gegen Bauchschmerzen – besser als Medikamente, finden viele. Das liegt an den Milchsäurebakterien, die die Verdauung fördern, sagt der Arzt Giorgi Megrelischwili.

Matzoni wird als Jugendelixier bezeichnet, weil Wissenschaftler davon ausgehen, dass der menschliche Alterungsprozess auch damit zusammenhäng, wie gesund die Darmflora eines Menschen ist. Da nun in Georgien überdurchschnittlich viele alte Menschen leben, deren  Hauptnahrungsmittel immer Matzoni war, gehen einige Wissenschaftler davon aus, dass ihr Alter auch mit dieser Art Joghurt zusammenhängt.

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Für mich dient Matzoni nicht nur der Gesundheit, sondern auch der Schönheit. Jeden Freitagabend treffe ich mich mit Freundinnen zu einem besonderen Ritual. Wir legen uns Schönheitsmasken aufs Gesicht, mit Gurken und Matzoni. Denn das wirkt Wunder, meint meine Freundin Kristina.

Matzoni ist gut für die Haut, macht sie weicher und erfrischt. Besonderes jetzt in unserem heißem Sommer. Auch nach einem Sonnenbrand wirkt Matzoni besser als jede Creme.

Produziert für Funkhaus Europa.