Dandy of Grotesque

Jüdische Mode in Berlin

Itamar Zechoval

Itamar Zechoval

Bevor die Nazis die Macht übernahmen, war Berlin das Zentrum der jüdischen Mode in Deutschland. Noch in den 30er Jahren befand sich die Hälfte aller 2000 Berliner Bekleidungsfirmen in jüdischem Besitz. Ob Manheimer, Gerson oder Nathan Israel, viele von ihnen waren so prächtig wie das Harrods in London. Hier kaufte Bertha Krupp, der russische Adel oder die amerikanische Millionärsdynastie Vanderbild. Doch dann kam die Reichspogromnacht und der Holocaust. Nun, mehr als 60 Jahre danach, kehrt die Enkelgeneration der Holocaust Opfer zurück. Die Berliner Modewelt wird um eine Facette reicher und knüpft wieder an alte Traditionen an. Ein Beitrag von Jutta Schwengsbier.

Immer mehr junge israelische Modemacher, die Enkelgeneration der Überlebenden, sehen in ihrer Heimat Israel keine Zukunft mehr. Viele zieht es nach Berlin. Einer von ihnen ist Itamar Zechoval. Sein Vater ist Filmemacher, seine Mutter Grafikerin. Und auch der Itamar spürte schon als Junge einen großen Drang Künstler zu werden.

Ich liebe es mich gut anzuziehen. Gleichzeitig finde ich es sehr schwer, nette Kleidung für mich selbst zu finden. Deshalb entschied ich mich dafür nach Italien zu gehen und Mode zu studieren. Ich habe für große Marken wie Dolce & Gabbana gearbeitet aber auch für kleinere Designer, bei denen ich mehr ausprobieren konnte aus unterschiedlichen Aspekten der Modeindustrie. Design. Produktion. Modeschauen.

 

Aus Neugier ging der 39 jährige zunächst für einige Jahre als Designer nach Shanghai. Doch die chinesische Massenproduktion war nicht sein Stil. Der junge Israeli entschied sich dafür, nur noch fantasievolle Unikate herzustellen. An einem ganz besonderen Ort.

Von Anfang an war es unsere Idee, den Laden wie ein Versteck zu gestalten. Wenn Kunden hereinkommen, ist alles dunkel, sie erkennen nicht genau was es ist. So als ob sich eine andere Welt erschließt. In den 1920er Jahren gehörte Berlin zur Avantgarde. Irgendwie hat Berlin diese Form von Dekadenz und Neuheit bewahrt.

In seinem Geschäft in Berlin Mitte, das Atelier und Produktionsraum zugleich ist, lädt Itamar seine Kunden aus der ganzen Welt gerne zu einem Whisky im Hinterzimmer ein. Die ganze Atmosphäre zeugt von einer Zeit, als Männer noch Frack und Morgenmantel trugen. Und Hüte oder Zylinder mit bunten Federn am Saum.

Die Kleidung ist inspiriert von vielen verschiedenen Epochen, den 1920ern, und auch noch früher, von den Dandys des 18. Jahrhunderts. Oscar Wilde und diese Truppe. // Wenn sie sich die Kollektion ansehen, werden sie einerseits Grundlinien militärischer Uniformen erkennen. Wir haben ihnen einen mehr urbanen Bezug gegeben ohne den Militärcharakter zu betonen. Das sind die beiden Seiten der Kollektion. Die sehr sehr elegante, fast Abendgarderobe. Bis hin zu lässiger Alltagskleidung.

Das Geschäft läuft seht gut, sagt Itamar. Einige seiner Kunden kommen inzwischen extra angereist, um sich von ihm extravagante Maßanzüge schneidern zu lassen.

Sie können den Kern der Kleidungsstücke aus dem Namen ableiten. „Dandy der Groteske.“ Es ist eine einwandfreie Eleganz, die nach Perfektion strebt. Gleichzeitig ist das dieses groteske Element, das nichts ernst nimmt und den Humor zeigt. Sogar ein wenig Dekadenz, wenn sie so wollen.

Mit jungen israelischen Designern wie Itamar Zechoval ist die jüdische Eleganz vergangener Tage nach Berlin zurückgekehrt. Shani Bar, die mit ihrer Schuhmode eine Ikone der israelischen Modeszene ist, hat auch in Berlin Mitte eine Dependance eröffnet. Genauso wie Maya Bash, die ihre Mode in Tel Aviv entwirft und inzwischen an Kunden in Moskau oder New York und nun auch in Berlin verkauft. Auch wenn Itamar wie die meisten anderen nicht darauf reduziert werden will Jude zu sein. Er will in Berlin einfach nur Mode machen. Humorvoll. Frisch. Und ein bisschen dekadent.

Produziert für Deuschlandradio Kultur Neonlicht.