Das gekaufte Kinderglück – Georgiens neuer Leihmutter Boom

Paare, die selbst keine Kinder bekommen können, greifen immer häufiger auf Leihmütter zurück. In Deutschland ist das verboten. Für jemand anderen Kinder auszutragen, gilt als Schädigung des Körpers, vor allem aber als eine Kommerzialisierung von Frauen, die mit ethischen Grundsätzen nicht zu vereinbaren ist. Viele andere Länder, etwa die USA, Großbritannien oder Belgien, haben die Leihmutterschaft dagegen legalisiert.

Internationale Leihmütter Agenturen haben das Geschäft mit dem gekauften Kinderglück als gute Einnahmequelle entdeckt. Je nach Herkunftsland der Leihmütter werden zwischen 60.000 und 120.000 US Dollar pro Kind gezahlt. In Ländern wie Georgien, mit einem durchschnittlichen pro Kopf Einkommen von 3600 US Dollar pro Jahr, ist bei solchen Preisen ein regelrechter Leihmütter-Boom zu beobachten. Edita Badasyan und Jutta Schwengsbier berichten.

Tiflis, ein sonniger nachmittag in Tiflis. Die 40jährige kommt etwas verschwitzt vom Fitness-Training. Um einen neue Arbeit zu finden, muss sie abnehmen, erzählt uns Nana lachend. Nach einer Schwangerschaft hat sie noch deutlich sichtbare Fettpölsterchen um die Hüften. Nana war Leihmutter. Nun hat sie das Kind weggegeben und muss sich einen neuen Job suchen.

Ich bin seit 12 Jahren geschieden und muss einen 14jährigen Sohn alleine versorgen. Was sollte ich machen? Entweder ich gehe ins Ausland um Geld zu verdienen oder ich suche eine andere Lösung.

 

Eigentlich ist Nana Lehrerin. Ihr Gehalt von umgerechnet 130 Euro pro Monat reichte aber nicht zum Leben. Nana hatte wie viele andere mehrere Tausend Euro Schulden bei der Bank. Als Lehrerin hätte sie die Kredite nie zurück zahlen können.

Als ich in der Zeitung nach Arbeit suchte, habe ich eine Anzeige gelesen, mit der Leihmütter gesucht wurden. Leihmutter zu sein ist kein Verbrechen. Es ist für mich eine Arbeit wie alle anderen auch. Auf jeden Fall besser als in die Türkei zu fahren und dort zu putzen.

Im Reproduktionszentrums in Tiflis wurde Nana genau erklärt, wie der Prozess abläuft. Vor allem interessierte sie aber der Preis. In Georgien bekommen Leihmütter normalerweise zwischen 15 Tausend bis 17 Tausend US Dollar. Weil Nana schon fast vierzig war, erhielt sie aber nur 8000 US Dollar. Sie war zufrieden damit.

Das war genau die Summe, die ich brauchte um meine Schulden zu bezahlen. 8000 US Dollar. Ich bin ein religiöser Mensch. Für mich war das ein Geschenk Gottes.

Bei Nana ist alles gut gelaufen. Ihre Schwägerin, selbst Muttern von 3 eigenen Kinder, hat sich deshalb auch entschieden Leihmutter zu werden. Wie viele Leihmütter es in Georgien gibt, kann niemand genau sagen, sagt Tamara Khachapuridze. Nach der Erfahrung der Direktorin des Reproduktionszentrums in Tiflis sind es sehr viele.

Wir haben so einen großen Bedarf an Leihmüttern, dass jede Interessentin sofort einen Vertrag bekommt, wenn sie gesund ist. Jede Frau kann so oft Leihmutter sein, wie es ihre Gesundheit zulässt. Das ist in Georgien völlig legal. Einige Frauen waren bei uns schon drei mal Leihmutter und wollen das noch ein viertes mal werden. Manchmal kommen zwei Schwestern und dann noch andere Verwandte, die auch Leihmutter werden wollen.

Rund die Hälfte der Paare, die ihren Kinderwunsch mit Hilfe der Reproduktionsklinik in Tiflis erfüllen wollen, kommen aus dem Ausland. Zum einen weil es billiger ist, sich Kinder von georgischen Leihmüttern vermitteln zu lassen. Zum anderen weil die Gesetze in Georgien sehr zugunsten der Wunscheltern gestaltet wurden. Leihmütter haben hier gar keine Rechte auf das von ihnen ausgetragene Kind. Die Wunscheltern bekommen schon am Tag nach der Geburt die Geburtsurkunde ausgehändigt. Für Irina waren das die wesentlichen Faktoren, warum sie aus Israel nach Georgien gekommen ist.

Ich habe 25 Jahren lang versucht, selbst ein Kind zu bekommen. Es ging nicht. Ich bin einfach unfruchtbar. Nur Gott weiß, wie viel ich und mein Mann durchgemacht haben. In Israel ist die Leihmutterschaft auch erlaubt. Aber es gibt lange Wartezeiten. Als wir nach drei Jahren immer noch nicht dran waren, sind wir nach Georgien gegangen.

Insgesamt 60.000 US Dollar haben die 49jährige und Ihr Mann für ihr Wunschkind ausgegeben. Nun sind die beiden stolze Eltern eines 10 Monate alten Sohnes.

Ich bereue es nicht. Alles war sehr gut organisiert und auf hohem Niveau. Für mich sind die Leihmütter Heilige. Sie geben den Kindern das Leben und uns das Glück Eltern zu werden.

Produziert für WDR 5 Osteuropamagazin.