Wider die Lüge – Gedanken zum Tagebuch der Polina Scherebzowa

Cover Polinas TagebuchIn der deutschen Debatte über die Krise in der Ukraine wütete lange vor allem eines – das Vergessen. Schon im Wort „Krise“ macht das Vergessen es sich gemütlich wie in einem bequemen Sessel. Der politische Mainstream wollte lange nicht wahrhaben, dass diese „Krise“ ein „Krieg“ war. Dieses Nicht-Wahrhaben-Wollen machte es möglich, dass die Lüge sich aus dem bequemen Sessel erheben und als Infektionsherd in Filzpantoffeln durchs Land latschen konnte. Sie schaute in Abgeordneten-Büros und an Stammtischen vorbei, bei Zeitungen und Fernsehsendern. Weiterlesen

Aufruhr in Transnistrien – Moskau hat kein Geld mehr für die Separatistenrepublik

 

Transnistrien hatte sich nach dem Zerfall der Sowjetunion als unabhängig von der Republik Moldau erklärt, mit eine eigener Regierung, Währung, Verwaltung und Militär. Völkerrechtlich wird das Regime nicht als eigenständiger Staat anerkannt und steht nun, ohne die gewohnten Zuschüsse aus Russland, vor dem Bankrott. Auf den Strassen formiert sich seit Wochen der Protest. Hunderte marschieren immer wieder durch Triaspol. Simion Ciochina und Jutta Schwengsbier berichten Weiterlesen

Krim: Gestohlenes Parlament

Die Krimtataren fühlen sich von der Welt vergessen

Mustafa Dshemilev wird die Rückkerh in seiner Heimat-verweigert

Mustafa Dshemilev wird die Rückkerh in seiner Heimat-verweigert

Während die Kämpfe in der Ostukraine trotz des in Minsk vereinbarten Waffenstillstands kein Ende nehmen wollen, gelangen Informationen von der annektierten Krim nur spärlich zu uns. Doch offenbar spitzt sich dort die Situation für die Krimtataren, immer weiter zu. Die 260000 Muslime, stellen auf der Halbinsel die größte nationale Minderheit. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Krimtataren von Stalin als fünfte Kolonne der Deutschen Wehrmacht verunglimpft und in die Steppen Kasachstans deportiert: Mit Beginn der Neunziger Jahre kehrten die Überlebenden der Deportation und deren Nachfahren zurück in ihre alte Heimat. Ihr Land, ihre Häuser aber waren da längst von Russen in Besitz genommen worden. Die pro-russischen Behörden auf der damals noch autonomen Krim taten alles, um den Krimtataren die Rückkehr so schwer wie möglich zu machen. Die neuen Machthaber betrachten die Krimtataren nun mehr oder weniger offen als Feinde.

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Montenegro: Poetiker der Apokalypse

Der montenegrinische Autor Nikolaidis und die Pressefreiheit

Andrej Nikolaidis

Die Journalisten in Montenegro reiben sich zurzeit verdutzt die Augen angesichts der ungeheuren Solidaritätswelle, mit der sich die französische Öffentlichkeit schützend vor die Pressefreiheit stellt. Die Beileidsadresse, die Montenegros Premier Milo Djukanovic den Franzosen schickte empfinden sie wie eine Verhöhnung der Opfer. Denn in seinem eigenen Land bezeichnet er Journalisten schon mal als Agenten oder Medienmafia. In Djukanovics kleinen Adriastaat gehören Morde, Prügelattacken, Brandanschläge gegen Redaktionsgebäude zum Lebensalltag von Journalisten – ohne dass dies bisher in Europa auf ähnlich große Empörung gestoßen wäre, wie jetzt die Morde in Frankreich. Weiterlesen

Künstler und der Krieg in der Ukraine

Im Osten der Ukraine herrscht Krieg – so berichten es ukrainische Kulturschaffende. Nicht länger wollen ukrainische Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle das verschweigen und gaben in der Berliner Akademie der Künste erstmals Einblicke in die Kultur- und Kunstarbeiten in Zeiten des Kriegs. Auf den vergangen Tagen trafen sie sich auf dem Kongress „Werte und Wandel“ und diskutierten über ihre Rolle während des Umbruchs in der Ukraine. Kann Kunst Motor für den gesellschaftlichen Wandel sein? Und: wie kann sie helfen, die Werte des Euromaidan zu verteidigen? Das sind Fragen, auf die ukrainische Künstler, Theatermacher, Dichter und Schriftsteller eine Antwort suchten. Ein Beitrag von Maximilian Grosser. Weiterlesen

Georgien – Ein Versuchslabor für Frauenmörder?

Warum Georgiens Frauen um ihr Leben fürchten

Der 25. November wird international als der Tag begangen, an dem auf die weltweit zunehmende Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht werden soll. Vor diesem Hintergrund wollen wir den Blick in ein Land werfen, das in den Medien oft nur am Rande aufscheint – Georgien. Dort erschüttert in diesem Jahr eine grausame Mordserie an Frauen die Öffentlichkeit und führt nun zu anhaltenden Protesten über die Untätigkeit der Behörden. Sopho Zurabiani, eine junge 27 Jahre alte Justizbeamtin wurde am hellichten Tag an einer Bushaltestelle erschossen, eine Universitätsdozentin vor den Augen ihrer Studenten umgebracht. Es scheint, als hätten die Mörder überhaupt keine Angst vor Sanktionen. Wie konnte es dazu kommen? Edita Badasyan ist dieser Frage nachgegangen. Weiterlesen

Ukraine: Mutter, Barbie, Kämpferin

Das neue Selbstbewusstsein ukrainischer Frauen

Bei den bevorstehenden Wahlen in der Ukraine plädiert mit Präsident Poroschenko zum ersten Mal ein ukrainisches Staatoberhaupt für die Einführung einer Frauenquote. Und befördert damit indirekt eine in der Ukraine derzeit heftig geführte Debatte: Die Rolle der Frauen bei der Revolution des Euromaidan. Jutta Schwengsbier berichtet. Weiterlesen

Roll Back der Frauenrechte

Warum Osteuropas Rechtspopulisten und katholische Kirche eine unheilige Allianz schmieden

Konferenz Roll Back von Frauenrechten in Osteuropa

Mit der politischen Wende in Osteuropa 1989 war auch die bis dahin offiziell vertretene Politik der Gleichberechtigung von Männern und Frauen beendet. Konservative Kräfte, allen voran die katholische Kirche, versuchten die neuen politischen Freiheiten zu nutzen, um der Gesellschaft wieder ihren Stempel aufzudrücken. Mit dem Erstarken der rechtspopulistischen Bewegungen in ganz Europa machen die Anti-Feministen Osteuropas mobil zu einem regelrechten Kulturkampf um die Werte des christlichen Abendlandes. Jutta Schwengsbier berichtet. Weiterlesen

Israel: Seine Autoren und der Gaza-Krieg

Yoshua Sobol

Yoshua Sobol

Seit dem 26. August herrscht zwischen der Hamas und Israel ein fragiler Waffenstillstand. Doch die Spannungen nehmen schon wieder zu. Erst vor wenigen Tagen wurde erneut eine Mörsergranate von Gaza aus auf Israel gefeuert, Palästinenserpräsident Abbas warf Israel vor wenigen Tagen auf der UN-Vollversammlung Völkermord. Israels Regierungschef Netanjahu goss ebenfalls Öl ins Feuer und behauptete, Hamas und IS würden die gleichen Ziele verfolgen. Mit Unruhe beobachten zahlreiche israelische Kulturschaffende wie die israelische Gesellschaft immer mehr nach rechts rückt und eine pragmatische Politik der Aussöhnung immer unwahrscheinlicher wird. Weiterlesen