Belarus: Wie weiter nach der neuen Repressionswelle?

25. März 2017 Martialisch ausgerüstete Polizisten vor dem Sturm auf protestierende Belarussen

copyright: Dasha Sapranetskaya

Am 25. März gingen in der belarussischen Hauptstadt Minsk tausende Demonstranten auf die Straße. Verwundert rieben sich westliche Beobachter die Augen. Die internationale Öffentlichkeit hatte in der Fülle weltweiter Krisenherde nicht wahrgenommen, dass die bereits im Februar aufgeflammten Proteste sich zu einem Flächenbrand ausgeweitet hatten. Zum ersten Mal gingen in Belarus Menschen auf die Straßen, die bisher als treueste Wählerschaft von Präsident Lukaschenko galten. Was also war, was ist los im Reich von Präsident Lukaschenko? Jutta Schwengsbier und Nasta Reznikava berichten:

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Kroatien: Mühsal der Toleranz – Vukovar , 25 Jahre Jahre nach der totalen Zerstörung

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Vier Städte stehen geradezu symbolisch für das Grauen der jugoslawischen Zerfallskriege: Sarajevo, Srebrenica, Mostar und Vukovar. Vor genau 25 Jahren, am 18. November 1991 wurde Vukovar, einst eine der schönsten Barockstädte an der Donau, nach monatelanger Belagerung, Opfer der Jugoslawischen Volksarmee. Vukovar gilt bis heute als einzige Stadt in Europa, die nach dem Zweiten Weltkrieg in einer kriegerischen Auseinandersetzung komplett zerbombt wurde. Die auf die Eroberung  folgenden Massaker an kroatischen Zivilisten waren das erst große Kriegsverbrechen im Jugoslawienkrieg. Weiterlesen

Moldau: Ich bin keine Dona Quichotte

Cristina Tarna, oberste Korruptionsbekämpferin in Moldau

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Vor mir liegen ein paar Kinderbilder. Eines dieser Bilder zeigt ein Klassenzimmer. Eine Schülerin steht vor der Tafel und schiebt der Lehrerin einen Geldschein zu. Ein anderes zeigt eine Ärztin mit zwei Gesichtern. Das Stethoskop baumelt über der Brusttasche ihrer Bluse aus der ein paar Dollarscheine ragen. Es sind Kinderbilder aus der Republik Moldau. Die liegt zwischen der Ukraine und Rumänien und wird in genau einer Woche den 25. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit von der einstigen Sowjetunion feiern. Doch wie die Kinderbilder eines Malwettbewerbs der staatlichen Antikorruptionsbehörde zeigen, gibt es wenig Grund zum Feiern. Viele Hoffnungen von damals haben sich nicht erfüllt. Das kleine Land ist fest im Griff der Korruption und in den Nachrichten ist von ihm nur dann zu hören, wenn es wieder einmal Skandalöses zu berichten gibt. Weiterlesen

Wir sind Verräter

Wie sich Künstler gegen eine faschistoide Politik in Kroatien wehren

Seit 10 Tagen hat Kroatien nun eine neue Regierung und Europa ist derart mich beschäftig, dass es kaum wahrnimmt, dass das kleine Land sich immer mehr von den Werten entfernt, zu denen es sich mit dem Beitritt der Europäischen Union bekannt hat. Der neue kroatische Regierungschef, Tihomir Oreskovic, ein aus Kanada zurückgekehrter Exilkroate versteht offenbar so wenig Kroatisch, dass nicht er seine Minister, sondern seine Minister ihn kontrollieren. Einer dieser Minister wollte etwa „Staatsverräter“ in Listen erfassen lassen. Ein anderer erklärt den kroatischen Staat zum legitimen Nachfolger der faschistischen Marionettenrepublik von Ante Pavelic. Weiterlesen

Volleyball über den Grenzzaun

Proteste gegen neue Grenzbarrieren in Slowenien und Kroatien

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Es ist die Zeit der Zäune und Mauern. Nicht nur an den Außengrenzen der EU. Slowenien, das erste osteuropäische Land, das in die EU aufgenommen wurde, errichtet jetzt nach Victor Orbans Vorbild Stacheldrahtzäune zum EU-Nachbarn Kroatien. Die kroatischen und slowenischen Behörden schauen inzwischen aber verdutzt auf den Widerstand, der sich im istrischen Grenzland gegen den Zaun formiert. Die Menschen der Region, bekannt für ihre Toleranz, ihr friedliches Zusammenleben und für ihre Mehrsprachigkeit sind empört. Immer mehr Bürgerinitiativen gründen sich und machen mit Aktionen auf ihren Protest aufmerksam. Bojana Radetic und Mirko Schwanitz berichten. Weiterlesen

LandZukunft: Ein Modellprojekt für ländliche Regionalentwicklung

Strandurlaub Dithmarschen

Vor allem ländlich geprägte Regionen müssen in den kommenden Jahren große soziale Veränderungen meistern. Die Jungen ziehen weg. Viele Branchen leiden in der Folge unter Fachkräftemangel. Zurück bleiben die Älteren. Das Bundeslandwirtschaftsministerium startete deshalb ein Modellprojekt mit dem Titel „Landzukunft“ zur regionalen ländlichen Entwicklung. Bewerben konnten sich 17 ländliche Randgebiete, die vom Thünen Institut vorab ausgewählt wurden. Neben Dithmarschen wurden dabei Birkenfeld, Holzminden und die Uckermark als Modellregionen gefördert. Das Ziel: Auch wenn die ausgewählten Regionen oft die gleichen Probleme haben, sollten sie doch regional spezifische Lösungen finden. Weiterlesen

Fluchthilfe: Mit einem Täuschungsmanöver nach Berlin

Einem Flüchtling über die Grenze zu bringen – das gilt offiziell nicht nur in Deutschland als strafbar. Fluchthelfern droht eine Geld- oder sogar Gefängnisstrafe. Doch ein Berliner Paar lässt sich davon nicht abschrecken. Seit zwei Jahren kennen sie einen jungen Syrer, den sie auf einer ihren Reisen getroffen haben. Seit dem begleiten sie den Kriegsflüchtling erst virtuell per Facebook und Whatsapp auf seiner Flucht, sind froh, dass er die Bootsfahrt von der türkischen zur griechischen Küste überlebt. Aber auf der letzten Etappe reicht es nicht mehr, nur per Smartphone und Computer dabei zu sein. Für die unpassierbaren Grenzen wird das Berliner Paar zu Fluchthelfern. Ihre Geschichte haben sie Maximilian Grosser erzählt – und weil die Rechtslage zu Fluchthilfe nicht eindeutig ist, sollen hier die richtigen Namen nicht genannt werden. Weiterlesen

„Politischer Einfluss per Anzeige“ – Osteuropas Medien im Griff der Mächtigen

Unabhängige Medien waren die ersten, die im ehemaligen Ex-Jugoslawien gegen Hassreden und Kriegsverbrechen eintraten. Ihnen war es zu verdanken, dass sich die Zivilgesellschaft organisieren und für Demokratie eintreten konnte. Doch inzwischen kämpfen die meisten Medien nur noch ums wirtschaftliche Überleben. Eine unabhängige Berichterstattung findet kaum noch statt. Viele Regierungen und politische Parteien sind dazu übergegangen, per Werbeanzeige Einfluss zu kaufen und Ideen zu verkaufen. Zu Osteuropas Medien im Griff der Mächtigen, ein Bericht von Jutta Schwengsbier. Weiterlesen

„Wir sind keine Beute!“ – Massenproteste erschüttern Armenien 

Tausende blockieren in Armeniens Hauptstadt Yerewan nach wie vor mehrere Hauptverkehrsstraßen. Auslöser der Proteste: Eine angekündigte Erhöhung der Strompreise. Der Versuch der Regierung, die Menschen mit einem harten Polizeieinsatz unter Einsatz von Schlagstöcken und Wasserwerfen zu vertreiben misslang. Seit nunmehr 14 Tagen harren die Menschen Tag und Nacht aus und fordern die Rücknahme der Strompreiserhöhung. Russland beobachtet die Proteste argwöhnisch, einige Politiker sehen bereits die Gefahr eines „armenischen Maidans“. Weiterlesen

Tschernobyl: Schwarzes Leben – die vergessenen Liquidatoren

Als am 26. April 1986 der Reaktor des Kernkraftwerks Tschernobyl explodierte, spürte ganz Europa die Folgen. Vor allem betroffen: die Retter und Helfer der ersten Stunden. Bis zu ihrem Zerfall schickte die Sowjetunion mehr als 600 000 Menschen aus allen Sowjetrepubliken in die Unglückszone. Viele von ihnen starben. Die, die überlebten, leben heute in den Folgestaaten des einstigen Riesenreichs. Anders als die Helfer in Russland erhalten sie keinerlei Unterstützung. Ein Bericht von Simion Ciochina und Jutta Schwengsbier. Weiterlesen