Ukraine: Schützengräben und Kontaktzonen

Osteuropäische Intellektuelle beraten über den  Umgang mit Russlands Manipulationsfabriken

Bei einer Konferenzreihe in Tutzing, München und Berlin haben mehr als 80 junge Medienexperten, Journalisten, Schriftsteller und osteuropäische Nachwuchspolitiker darüber beraten, wie man der derzeitigen russischen Propagandamaschinerie wirksam begegnen könne. Immer wieder zur Sprache kamen dabei sogenannte Troll-Fabriken. Das sind keine Fabelwesen, die inzwischen industriell gefertigt werden. Als Trolle werden die meist jungen internet-Spezialisten bezeichnet, die für ein nach russischen Maßstäben fürstliches Gehalt in sozialen Netzwerken oder per Kommentarfunktion bei wichtigen westlichen Medien Propaganda-Botschaften verbreiten. Jutta Schwengsbier berichtet. Weiterlesen

„Politischer Einfluss per Anzeige“ – Osteuropas Medien im Griff der Mächtigen

Unabhängige Medien waren die ersten, die im ehemaligen Ex-Jugoslawien gegen Hassreden und Kriegsverbrechen eintraten. Ihnen war es zu verdanken, dass sich die Zivilgesellschaft organisieren und für Demokratie eintreten konnte. Doch inzwischen kämpfen die meisten Medien nur noch ums wirtschaftliche Überleben. Eine unabhängige Berichterstattung findet kaum noch statt. Viele Regierungen und politische Parteien sind dazu übergegangen, per Werbeanzeige Einfluss zu kaufen und Ideen zu verkaufen. Zu Osteuropas Medien im Griff der Mächtigen, ein Bericht von Jutta Schwengsbier. Weiterlesen

Wider die Lüge – Gedanken zum Tagebuch der Polina Scherebzowa

Cover Polinas TagebuchIn der deutschen Debatte über die Krise in der Ukraine wütete lange vor allem eines – das Vergessen. Schon im Wort „Krise“ macht das Vergessen es sich gemütlich wie in einem bequemen Sessel. Der politische Mainstream wollte lange nicht wahrhaben, dass diese „Krise“ ein „Krieg“ war. Dieses Nicht-Wahrhaben-Wollen machte es möglich, dass die Lüge sich aus dem bequemen Sessel erheben und als Infektionsherd in Filzpantoffeln durchs Land latschen konnte. Sie schaute in Abgeordneten-Büros und an Stammtischen vorbei, bei Zeitungen und Fernsehsendern. Weiterlesen

Montenegro: Poetiker der Apokalypse

Der montenegrinische Autor Nikolaidis und die Pressefreiheit

Andrej Nikolaidis

Die Journalisten in Montenegro reiben sich zurzeit verdutzt die Augen angesichts der ungeheuren Solidaritätswelle, mit der sich die französische Öffentlichkeit schützend vor die Pressefreiheit stellt. Die Beileidsadresse, die Montenegros Premier Milo Djukanovic den Franzosen schickte empfinden sie wie eine Verhöhnung der Opfer. Denn in seinem eigenen Land bezeichnet er Journalisten schon mal als Agenten oder Medienmafia. In Djukanovics kleinen Adriastaat gehören Morde, Prügelattacken, Brandanschläge gegen Redaktionsgebäude zum Lebensalltag von Journalisten – ohne dass dies bisher in Europa auf ähnlich große Empörung gestoßen wäre, wie jetzt die Morde in Frankreich. Weiterlesen

Juden im »Tatort« und Schwarze in den Schlagzeilen

Eine internationale Konferenz erforscht Rassismus in den Medien

medien und minderheiten

Muslime in der Mittelschicht, Schwarze als Rechtsanwälte oder Juden ohne Kippa? Geschichten die auch in deutschen Medien nur sehr selten vorkommen – vorherrschend sind meist stereotype Bilder, wenn über Minderheiten berichtet wird. Roma tauchen oft nur als sogenannte Armutsflüchtlinge und Gefahr für das Sozialsystem auf. Und der Islam wird mit Fanatismus und Terrorismus gleichgesetzt. Grund dafür ist, dass Minderheiten nur einen Nachrichtenwert haben – um es einmal zugespitzt auszudrücken – wenn sie Probleme machen und negativ auffallen. Dieser Umgang mit Vorurteilen in Medien war nun auch Thema einer Konferenz in Berlin. Hier trafen sich internationale Medienforscher, um ihre Beobachtungen, um über das Verhältnis von „Medien und Minderheiten“ – so der Titel des Treffens – zu diskutieren. Doch nicht nur Nachrichten fördern stereotype Bilder, wie Maximilian Grosser zeigt. Weiterlesen