Künstler und der Krieg in der Ukraine

Im Osten der Ukraine herrscht Krieg – so berichten es ukrainische Kulturschaffende. Nicht länger wollen ukrainische Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle das verschweigen und gaben in der Berliner Akademie der Künste erstmals Einblicke in die Kultur- und Kunstarbeiten in Zeiten des Kriegs. Auf den vergangen Tagen trafen sie sich auf dem Kongress „Werte und Wandel“ und diskutierten über ihre Rolle während des Umbruchs in der Ukraine. Kann Kunst Motor für den gesellschaftlichen Wandel sein? Und: wie kann sie helfen, die Werte des Euromaidan zu verteidigen? Das sind Fragen, auf die ukrainische Künstler, Theatermacher, Dichter und Schriftsteller eine Antwort suchten. Ein Beitrag von Maximilian Grosser. Weiterlesen

Mircea Cartarescu liest in Heidelberg

Mircea Catarescu Die FlügelAm 8. November wird Mircea Cartarescu Rumäniens derzeit wohl international bedeutendster Gegenwartsautor in Heidelberg aus seinem neuen Roman „Die Flügel“ lesen. 25 Jahre nach der Revolution in seinem Heimatland zieht Rumäniens wortgewaltiger Sprachzauberer eine bittere Bilanz. „Die Arbeit an diesem Buch habe sich nur ertragen können, in dem ich zwischendurch andere, optimistischere Bücher schrieb“, sagte er in einem Interview. „Die Flügel“ ist nicht nur erneut ein sprachliches Meisterstück des Postmodernisten und vielleicht letzten Surrealisten der rumänischen Literatur, sondern auch eine beißende Groteske, in der sich Cartarescu mit merkwürdigen Metamorphosen in seiner Heimat auseinandersetzt. Weiterlesen

Nino Haratischwilis neue Buch: „Das achte Leben“

Nino Haratischwili Das achte LebenSoeben erschien der mit vielen Vorschuss-Lorbeeren bedachte neue Roman von Nino Haratischwili, die bereits mit ihren ersten Romanen „Juja“ und „Mein sanfter Zwilling“ große Aufmerksamkeit erregte. Für ihren neuen Roman „Das achte Leben“ hat die in Georgien geborene und seit ihrem 20 Lebensjahr in Deutschland lebende und auf Deutsch schreibende Autorin jahrelang in Archiven recherchiert – nicht nur in Moskau, St. Petersburg und in Georgien. Das Schreiben erfolgte parallel und zeitweise schien ihr das Projekt davonzulaufen Ich war wie ein Kind in einem Spielzeugladen, sagte Nino Haratischwili, unserem Rezensenten, ich wollte das das noch rein kommt, und dieses und jenes. Weiterlesen

Serhij Zhadan erhält „Brücke Berlin“ Literaturpreis

Heute erhält der ukrainische Lyriker, Musiker und Romancier, Serhij Zhadan in Berlin den angesehenen Brücke-Berlin-Literaturpreis für sein Buch „Die Erfindung des Jazz im Donbass“. Die Auszeichnung soll den Blick auf die gegenwärtige Literatur der Länder Mittel- und Osteuropas lenken, deren Stimmen den Prozess der europäischen Einigung mitgestalten. Gleichzeitig würdigt der mit 20 000 Euro dotierte Peis die Arbeit der literarischen Übersetzer, Sabine Stöhr und Juri Durkot. „Die Erfindung des Jazz im Donbass“ ist ein ebenso fulminantes wie poetisches road movie, in dem uns Zhadan die Geschichte des Kiewer Werbeunternehmers Hermann erzählt, der sich spontan entscheidet, seinen Bürojob zu kündigen, um die marode Tankstelle seines verschwundenen Bruders vor dem Zugriff korrupter Oligarchen zu retten. Weiterlesen

Jennifer Clement über ihr Buch „Gebete für die Vermissten“

 Jennifer Clement

 

Die amerikanisch-mexikanische Schriftstellerin Jennifer Clement hat mit ihrem jüngsten Roman „Gebete für die Vermissten“ einen Bestseller geschrieben, der schon kurz nach Erscheinen in 22 Ländern veröffentlicht wurde. Am meisten überrascht von diesem schnellen Erfolg war sie selbst. Eigentlich dachte Clement, die Geschichten von Frauen und Mädchen aus dem weit abgelegenen mexikanischen Hinterland würden nur ein lokales Publikum interessieren. Doch die als schwarze Komödie geschriebene Geschichte brachte ein Thema in die internationalen Feuilletons, das sonst meist nur eine Randnotiz wert ist. Die alltägliche Gewalt gegen Frauen, die die ganze Gesellschaft durchzieht. Jutta Schwengsbier hat mit Jennifer Clement über ihren Roman und ihr Leben gesprochen. Weiterlesen

Auf den Spuren von Franz Fühmann

Vor 30 Jahren starb mit Franz Fühmann einer der streitbarsten DDR-Autoren. Kaum ein deutscher Autor hat sich derart radikal mit seiner Nazi-Vergangenheit auseinandergesetzt. Kaum ein DDR-Geborener, der nicht mit einem Fühmann-Märchen aufgewachsen ist.Fühmann, als junger Kriegsgefangener im sibirischen Gulag vom Sozialismus „überzeugt“ in die Heimat zurückgekehrt, fällt dort schon bald vom „neuen Glauben“ ab. 1965 wendet sich der Heinrich-Mann-Preisträger gegen den kulturpolitischen Kahlschlag durch die Kommunisten. Sein Briefwechsel mit Christa Wolf, erschienen im Band „Monsieur – wir finden uns wieder“, ist ein erschütterndes Dokument seiner wachsenden Verzweiflung am sozialistischen Experiment. Weiterlesen

Brigitte Reimann in Hoyerswerda

Auf den Spuren von „Franziska Linkerhand“ in der einst modernsten Stadt der Welt

Auf dem Spuren Brigitte Reimanns

 

Brigitte Reimann, gehörte zu den wichtigsten deutschen Schriftstellerinnen ihrer Zeit. 1974, also vor genau 40 Jahren erschien ihr Roman „Franziska Linkerhand“, der bis heute zu einem der bedeutenden Werke der DDR-Literatur zählt. In ihm erzählt Brigitte Reimann über den Enthusiasmus, mit denen zigtausende Menschen in den 60er Jahren darangingen, ein neues Land aufzubauen. „Franziska Linkerhand“ ist die Geschichte einer jungen Architektin, die davon träumt, eine neue, menschenwürdige Stadt aufzubauen, am Ende aber erleben muss, wie das sozialistische Ideal an sich selbst scheitert. Weiterlesen

Elias Canetti und seine Geburtsstadt Russe

Das bulgarische Russe heute

Als vor 20 Jahren der Literaturnobelpeisträger Elias Canetti in Zürch verstarb, hinterließ er ein umfangreiches Werk. Obwohl er über 32 Bücher schrieb, darunter das wohl berühmteste „Masse und Macht“ war es doch seine dreibändige Biografie, die den größten Erfolg bei den Lesern hatte und in der er sich als begnadeter Beobachter, feinsinniger, zuweilen aber auch als etwas eitler Erzähler zeigte. Gleich im ersten Band mit dem Titel „Die gerettete Zunge“ stellte er ein kleines Städtchen in die Weltliteratur, von dem ohne ihn vielleicht bis heute niemand Notiz nehmen würde – seine Geburtstadt Rustschuk, die heutige bulgarische Grenzstadt Russe. 1891 hatte es den jüdisch-sephardischen Großvater Canettis aus dem damaligen Odrin, dem heutigen Edirne nach Rustschuk verschlagen, nach dem die Juden von den Türken dort zu Unrecht der Entführung eines behinderten türkischen Jungen bezichtigt wurden. Rustschuk war mit seinen damals 20 000 Einwohnern, die größte Stadt Bulgariens. Heute hat sie 150 000 Einwohner. Wie diese Stadt mit der Erinnerung an ihren bedeutendsten Sohn umgeht, das wollte Mirko Schwanitz wissen und hat sich aufgemacht nach Russe…. Weiterlesen

Die Bibliothek des Maidan

Was bleibt vom Kiever Maidan ist eine der häufigsten Fragen, die man dieser Tage auf Podiumsdiskussionen hören kann, auf denen Politiker und Experten im politischen Kaffeesatz lesen. Allmählich, wenn auch sehr langsam verschwinden die noch sichtbaren Zeugnisse des Aufstandes aus dem Kiewer Stadtbild. Es ist nur eine Frage der Zeit, dann wird der Maidan nur noch eine Erinnerung sein. Doch was auch immer passiert – eine der außergewöhnlichsten Institutionen, die dieser Maidan hervorgebracht hat, wird wohl noch da sein, wenn die letzte Barrikade fortgeräumt, das letzte Zelt abgebaut ist. Denn als in Kiev auf den Barrikaden gekämpft wurde brachten die Menschen den Kämpfern nicht nur Tee, Wurst und Butterbrote, sondern immer wieder auch Bücher – und so entstand die vielleicht außergewöhnlichste Bibliothek Europas. Mirko Schwanitz und Ivan Gayvanovich berichten. Weiterlesen

Anthony Marra: „Die niedrigen Himmel“

Ein 28jähriger US-Amerikaner schreibt über das heutige Tschetschenien

 

Marra Die niedrigen HimmelIn diesen Tagen, in denen die Welt hilflos erzürnt über Russlands Umgang mit dem Völkerrecht diskutiert, legte der amerikanische Autor Anthony Marra, einen Roman vor, der wie kaum ein anderer bisher, Russlands Verständnis von Menschenrechten emotional erfahrbar macht. „Die niedrigen Himmel“, so der Titel von Marras Roman, offenbaren die Verlogenheit der heutigen russischen Staatspropaganda auf beklemmende Weise. Denn mit welcher Brutalität Wladimir Putin bereit ist, Völkerrecht zu brechen und Menschenrechte zu unterdrücken, das hat er in Tschetschenien gezeigt – nur redet heute niemand mehr darüber. Man kann Anthony Marras Geschichte über das kleine Mädchen Hawah, das vom Dorffeldscher Achmed vor den russischen Folterern gerettet wird, einfach nicht lesen, ohne an den Jubel zu denken, mit denen die Mehrheit der Russen derzeit den Überfall auf einen souveränen Staat feiert; dessen Bevölkerung den Versuch unternahm, sich gegen ihre mit Russland verquickten korrupten Herrscher zu erheben und sich aus Moskaus Umlaufbahn zu entfernen. Wie aber kommt ein heute gerade einmal 28jähriger Amerikaner dazu, sich mit Tschetschenien zu befassen? Marras Roman ist in den USA inzwischen für den National Book Award nominiert und auch die deutsche Kritiker sind begeistert. Mirko Schwanitz hat Anthony Marra getroffen. Weiterlesen