Italien: Die 40 Tage von Ossola

Das beschauliche italienische Städtchen Domodossola ist jedes Wochenende Ziel zahlreicher Schweizer Besucher. Hier bummelt man durch die Gassen, trinkt auf dem Marktplatz einen Espresso, geht auf den Markt. Doch wer von den Besuchern weiß, dass Domodossola vor gar nicht so langer Zeit Hauptstadt einer Republik war – ausgerufen von Widerstandkämpfern, die 1944 den deutschen und italienischen Faschisten mutig die Stirn boten? Als sie nach 40 Tagen fiel nahm die Schweiz 35 000 Flüchtlinge auf. Das haben die Menschen von Ossola ihr niemals vergessen. Wer mehr als nur einen Espresso trinken will, kann heute, gut 70 Jahre später, dem Bergführer Tim Shaw auf alten Widerstandspfaden ins Dickicht dieser unglaublichen Geschichte folgen. Und wer noch mehr wissen möchte, sollte einen Abstecher in die Casa della Resistenza in Mergozzo machen.

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Polen: Die polnische Stadt Gliwice gedenkt den deutschen Juden Oberschlesiens

Jüdisches Begräbnishaus Gliwice

Es wird gebaut im schlesischen Gliwice, Gleiwitz, im Süden Polens. Aufwändig wird derzeit das einst prächtige jüdische Begräbnishaus wieder instand gesetzt und zu einem Museum der oberschlesischen Juden umgewidmet. Erinnert werden in der Einrichtung also vor allem deutsche Juden – denn die Region gehörte bis zum Zweiten Weltkrieg größtenteils zum Deutschen Reich.Doch mit der Ermordung durch die Nazis oder der Flucht hiesiger deutscher Juden ist offenbar auch das Interesse von deutscher Seite an deren reicher Geschichte in der Industrieregion verschwunden. Denn die Stadt Gliwice, die bislang die gesamten Baukosten von knapp 2 Millionen Euro trägt, hat auf ihre Nachfragen nach finanzieller Unterstützung durch deutsche Institutionen keine Rückmeldung erhalten.

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Armenien: „Wake up the souls“

Wie armenische Künstler die Folgen des Völkermords diskutieren

Am 24. April jährt sich der 100. Gedenktag des Genozids an den Armeniern. Noch nie wurde das Thema so breit diskutiert. Während in den USA, Deutschland und anderen Ländern noch heftig darüber diskutiert wird, ob der Begriff „Völkermord“ angebracht ist, thematisieren armenische Künstler ihre Jahrhunderte lange Rolle als Opfer und die Folgen des Genozids für ihre Gegenwart. Auch für die im Ausland lebenden Armenier ist der Völkermord noch sehr präsent. Weiterlesen

Politik kotzt mich an – zu Besuch bei Daniil Granin

Er gilt als der letzte große Schriftsteller der Kriegsgeneration: Der russische Autor Daniil Granin. Über 14 Romane hat er geschrieben. Weltweit bekannt wurde er mit seinen Leningrader „Blockadetagebüchern“. Eigentlich wollte er nicht mehr über den Krieg schreiben. Doch das Auseinanderdriften der Welt veranlasste ihn, seine Meinung zu ändern. „Ich habe lange mit mir gerungen“, sagte der heute 96jährige im vergangenen Jahr in seiner bewegenden Rede vor dem deutschen Bundestag. „Aber am Ende habe ich mich entschieden, erstmals über m e i n e n Krieg, m e i n e Schützengrabenwahrheit zu schreiben.“ Weiterlesen

Armenien: Jerewan – eine Stadt sucht ihre Altstadt

Jerewans Altstadt

Am 18. April ist der Internationale Tag des Denkmals. Als Tag der Erinnerung an Geschichte und Geschichten. In Jerewan, einer der ältesten Städte Europas, ist von dieser Geschichte nicht mehr viel zu sehen. Tatsächlich hat die Stadtverwaltung von Jerewan, in der Sowjetunion noch als „die leuchtende Stadt“ beliebt, in den Jahren seit dem Zusammenbruch des Sozialismus das Stadtbild gründlich zerstört. Das, was noch übrig ist, muss man suchen. Ani Matevosyan zur Geschichte Jerewans, und was davon noch übrig ist. Weiterlesen

Kunst-Bewegung ZERO – Alles zurück auf Null

Installation Günter Uecker

ZERO stand für die Stunde Null in der Nachkriegskunst. Mit der Bewegung wurden Ausstellungen zu fulminanten Happenings. Ihre Künstler huldigten der puren Farbe, dem puren Licht und der puren Bewegung – und sie wurde dennoch für Jahrzehnte vergessen. Eine Berliner Ausstellung würdigt Avantgardebewegung ZERO und zeigt, wie sie Kunst und vom historischen Ballast befreite. Von Maximilian Grosser. Weiterlesen

„Wir sind das Volk? Ihr seid gar nichts“ – Jennifer Gegenläufer und ihr kraftvoller Rap

Jennifer Gegenläufers drastische Lyrik erinnert an „Howl“ –  das Geheul, mit dem Allan Ginsberg 1955 dem Establishment seine Wut entgegenschleuderte. Heute gilt Ginsberg als herausragender Vertreter der Beat Generation. Jennifer Gegenläufer ist heute das Gesicht der jugendlichen Protestbewegung in Deutschland. Mit ihren wütenden Rap-Balladen verleiht sie der Frustration der Jugend Gehör. Ein Porträt von Jutta Schwengsbier. Weiterlesen

Wider die Lüge – Gedanken zum Tagebuch der Polina Scherebzowa

Cover Polinas TagebuchIn der deutschen Debatte über die Krise in der Ukraine wütete lange vor allem eines – das Vergessen. Schon im Wort „Krise“ macht das Vergessen es sich gemütlich wie in einem bequemen Sessel. Der politische Mainstream wollte lange nicht wahrhaben, dass diese „Krise“ ein „Krieg“ war. Dieses Nicht-Wahrhaben-Wollen machte es möglich, dass die Lüge sich aus dem bequemen Sessel erheben und als Infektionsherd in Filzpantoffeln durchs Land latschen konnte. Sie schaute in Abgeordneten-Büros und an Stammtischen vorbei, bei Zeitungen und Fernsehsendern. Weiterlesen

Streifzug durch die Rockszene in Moldova und Transnistrien

holodnaya noch

Nur selten dringen aus der kleinen Republik Moldova, dem früheren Moldawien, Nachrichten zu uns. Und noch seltener hören wir etwas aus Transnistrien, jener kleinen, von Moskau ausgehaltenen Separatisten-Republik, die sich 1990 in einem Bürgerkrieg von Moldawien abspaltete. Inzwischen hat die Europäische Union mit der kleinen Republik ein Assoziierungsabkommen unterzeichnet, die Moldauer (Moldawier) dürfen visafrei reisen. Wie reflektieren eigentlich die Rockmusiker in Moldova und Transnistrien die Entwicklungen? Gibt es dort überhaupt eine Rockmusik-Szene? Und wenn ja, mit welchen Themen befassen sich die Texte der Musiker dort? Weiterlesen

Israels Autoren und ihr Blick auf ihr Land

 

Gastland auf der Leipziger Buchmesse ist in diesem Jahr Israel. Ein Auftritt mit Brisanz, denn überall in Europa spürt man ein Wiederaufleben des Antisemitismus – insbesondere in Frankreich.  Und das nicht erst seit dem Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ oder den Überfall auf einen jüdischen Supermarkt. Doch ist Israel für die Juden wirklich noch ein sicheres Land? Immer mehr Israelis zweifeln selbst daran. Zunehmend geht ein politischer Riss durch die Gesellschaft. Auf der einen Seite gewinnen religiöse Gruppen immer mehr Einfluss auf die Politik Israels. Während diese, die Einheit des Staates von innen zu zersetzen scheinen, muss Israel sich weiterhin unablässiger Angriffen von Hamas und Hisbollah erwehren. Weiterlesen