Abba und die Volksmusik – Besuch bei einem schwedischen Reichspielmann

Staffan Berg aus Hårte in Hälsingland ist einer von 300 schwedischen Reichspielmännern. copyright: Mirko Schwanitz

Ob in Korrö oder Delsbo, in Falun oder Ransätter – vom Frühjahr bis zum Herbst ziehen Schwedens beste Volksmusiker von Volksmusikfestival zu Volksmusikfestival.  Hier kann man dann Bockshornbläsern oder Holztrompetern ebenso begegnen, wie Spielern obertöniger Flöten, Maultrommlern,  Holzschuhgeigern oder den sogenannten Schlüsselharfinisten. Und natürlichen jenen, die auf diesen Instrumenten die wahren Meister sind – den Riksspelmen.  Nur etwas mehr als 300 Musiker dürfen zurzeit diesen Titel tragen – es ist die höchste Auszeichnung des Landes für musikalisches Können. Ohne die Tradition dieser sogenannten Riksspelmen – also der „Reichsspielmänner“ ist der Erfolg der schwedischen Pop- und Rockmusik von heute kaum denkbar. Mirko Schwanitz berichtete für den WDR

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Ukraine: Jamala – eine Krimtatarin fährt zum ESC

ESC-Teilnehmerin Ukraine: die krimtatarische Sängerin Jamals

Obwohl politische Texte eigentlich verboten sind, gewann in der Ukraine die krimtatarische Sängerin Jamala mit einem Lied, mit dem sie auf das Schicksal ihres Volkes aufmerksam machen will. Tatsächlich scheint das Schicksal der Krim-Tataren, der größten Minderheit auf der Krim niemanden mehr zu interessieren. Einige Beobachter sprechen gar von einem Kartell des Schweigens. Man nehme die Menschenrechtsverletzungen auf der Krim hin, um mit Russland über Syrien verhandeln zu können. Niemanden interessierte dass die gewählten politischen Führer der Krim-Tataren seit der Annexion nicht mehr in ihre Heimat können und das auch in den vergangenen Tagen auf der Krim wieder Hausdurchsuchungen und Verhaftungen von Krim-Tataren gegeben hat. Inzwischen sitzen viele mit fingierten Anklagen in Gefängnissen. Weiterlesen

Karim Wasfi – Cellospiel für den Frieden

Einem internationalen Publikum bekannt geworden ist Karim Wasfi nicht als Dirigent des irakischen nationalen Symphonieorchesters sondern als Cellist von Bagdad. Als Musiker könnte Karim Wasfi ein Weltstar sein, der in allen Konzertsälen der Erde ein begeistertes Publikum fände. Sein eigenes Cellospiel oder auch seine Interpretationen von Bach, Mahler oder Vivaldi als Dirigent mit großem Orchester, gehören zum besten, was die klassische Musikwelt derzeit zu bieten hat. Doch Wasfi entschied sich in Bagdad zu bleiben. Er will mit seiner Musik dazu beizutragen, sagt Wasfi, wieder Frieden zu schaffen, in diesem vom Terror zerrissenen Land. Jutta Schwengsbier mit dem Porträt eines aussergewöhnlichen Musikers. Weiterlesen

Wir sind Verräter

Wie sich Künstler gegen eine faschistoide Politik in Kroatien wehren

Seit 10 Tagen hat Kroatien nun eine neue Regierung und Europa ist derart mich beschäftig, dass es kaum wahrnimmt, dass das kleine Land sich immer mehr von den Werten entfernt, zu denen es sich mit dem Beitritt der Europäischen Union bekannt hat. Der neue kroatische Regierungschef, Tihomir Oreskovic, ein aus Kanada zurückgekehrter Exilkroate versteht offenbar so wenig Kroatisch, dass nicht er seine Minister, sondern seine Minister ihn kontrollieren. Einer dieser Minister wollte etwa „Staatsverräter“ in Listen erfassen lassen. Ein anderer erklärt den kroatischen Staat zum legitimen Nachfolger der faschistischen Marionettenrepublik von Ante Pavelic. Weiterlesen

Balkanroute: An der Grenze über die Grenze

IC-MN-Chefredakteur Mirko Schwanitz koordinierte für den WDR eine vielbeachtete Radioessayreihe mit Schriftstellern aus Ländern entlang der Balkanroute

Autorenporträts

vlnr: Draga Potocnijak (©Žiga Koritnik); Miljenko Jergovic (©Miodrag Trajković); Lena Divani (©privat); Sreten Ugricic (©Volker Dittrich); Vlada Urosevic (©Susanne Schleyer)

 

„Flüchtlinge“ wurde 2015 zum Wort des Jahres gekürt. Wir erinnern uns an das mediale Bombardement jener Monate, in denen es kein anderes Thema mehr zu geben schien. Das im Süd-Sudan mehr als eine Million Menschen vom Hungertod bedroht sind, das in der Ukraine 1,2 Millionen Menschen auf der Suche nach einem neuen Zuhause sind, das 12 Millionen Roma in Europa noch immer unter erbärmlichen und entwürdigen Bedingungen leben müssen, dass auf der Krim über 250 000 Tataren zunehmenden Repressionen der russischen Besatzungsmacht ausgesetzt sind, das die Arbeitsmigration in Europa mehr als zwei Millionen Kinder zwingt, ohne ihre Eltern aufzuwachsen – all das wurde und wird überlagert von dem einen Thema: „Flüchtlinge“. Weiterlesen

Brandenburg: Eine Herbstreise zu Märkischen Machern

Volker Müller-Hagenbeck

Erfinder der Annenwalder Schiffchen: Volker Müller-Hagenbeck

Im Juni reiste unser Autor Mirko Schwanitz schon einmal zu Brandenburger Unternehmern, alle mit recht ausgefallenen Geschäftsideen. Die einen entwickelten ein Weinschwein, ein anderer baute in Frankfurt Oder U-Boote, züchteten Blutegel oder destillierten trinkbares Flugbenzin. Folgen Sie heute Mirko Schwanitz doch auf seiner zweiten Tour. Wir können Ihnen versprechen, dass er wieder interessante Menschen getroffen hat, einen Mann der Schiffe für Häfen aus Sand baut, einen Mann der im 21. Jahrhundert die Goldenen Zwanziger Jahre konserviert oder einen, der den ersten vollelektronischen Schlüsselbund erfand. Sie werden einen Kerzenmacher kennenlernen, den sie nicht kennen, aber dessen Kerzen jeder von Ihnen, schon einmal gesehen hat. Und dranbleiben sollten sie in jedem Fall, wenn Sie wissen wollen, wie man Mondlandschaften in Naturschutzgebiete verwandelt…. Weiterlesen

Georgien: „adibas“ – der neue Roman des georgischen Autors Zaza Burchuladze

Zaza Burchuladze

Kein Buch der letzten Jahre, hätte ihn mit solcher Begeisterung erfüllt, schreibt  der bekannte ukrainische Autor Jury Andruchowytsch in seinem Vorwort zu „adibas“ – einem Roman des georgischen Schriftstellers Autors Zaza Burchuladze. Andruchowytschs russischer Kollege Vladimir Sorokin bezeichnete das Buch als eine hochkomische und zugleich tieftraurige Geschichte, die ihn sehr bewegt habe. Zaza Burchuladze hat in Tiflis Malerei studiert bevor er sich dem Schreiben widmete. Mit seinen bissigen, ja geradezu wütenden Gesellschaftsporträts und seinen provokativen Auftritten bei Lesungen und in Fernsehshows hat er sich in seiner Heimat Georgien viele Feinde gemacht. Weiterlesen

Belarus: „Jeder Deal ist nutzlos“ – die Situation weissrussischer Künstler nach den Wahlen

Zmitzer Vajcuschkevitsch

Zmitzer Vajcuschkevitsch

In Weissrussland hat Alexander Lukaschenko am vergangenen Wochenende die Präsidentschaftswahlen gewonnen. Kein Wunder, hatte er doch zuvor dafür gesorgt, dass es keine nennenswerte Opposition und damit auch keinen nennenswerten Gegenkandidaten gibt. Nach seinem erneuten Wahlsieg darf sich Lukaschenko nun „dienstältester Diktator“ Europas nennen. Er fühlt sich so sicher in seinem Sattel, dass er in einem Anfall von Herzensgüte die letzten politischen Gefangenen freiliess. Weiterlesen

Kroatien: Solidarität ist eine Sanduhr – Kroatische Intellektuelle  zur Flüchtlingskrise

An der Flüchtlingskrise könnte Europa scheitern. Davor warnen inzwischen nicht nur  Staats- und Regierungschefs oder Politiker fast jeder Couleur. Auch Intellektuelle melden sich zu Wort. Anders als die politische Klasse warnen sie nicht vor dem Flüchtlingsansturm – sondern vom Umgang der von Europas politischen Führungen mit der Krise. Der kroatische Autor Miljenko Jergovic geißelt in Kommentaren für Zeitungen wie „Jutarni List“ die „verlogene Politik“ der kroatischen Regierung. Offen prangert er Politiker für ihren „faschistoiden Sprachgebrauch gegenüber den Flüchtlingen“ an. Der bekannte Journalist Ladislav Tomicic bekennt: „Das ist keine Krise. Das ist eine permanente Lage.“ Und auch die Schriftstellerin Ivana Bodrozic meldet sich in ihrem Land immer wieder zu Wort. Mirko Schwanitz berichtet. Weiterlesen

Belarus: Literaturnobelpreise Swetlana Alexijewitsch

Swetlana Alexijewitsch wurde 1948 kurz nach dem zweiten Weltkrieg im ukrainischen Iwano-Frankiwsk geboren. Zunächst arbeitete sie als Reporterin für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Dann entwickelt Alexijewitsch ausgehend von zahlreichen Interviews schließlich eine eigene literarischen Gattung: den halbdokumentarischen Roman. Ob Tschernobyl, der Afghanistan-Krieg und der Zusammenbruch der Sowjetunion: Die bei ihren Reportagen eingefangenen Stimmen verdichtet die Schriftstellerin in fiktionalen Geschichten zu einem Sittengemälde ihrer Zeit. Nun erhält die Weißrussin den Literaturnobelpreis. Jutta Schwengsbier stellt Swetlana Alexijewitsch und ihr Werk vor. Weiterlesen