Belarus: Wie weiter nach der neuen Repressionswelle?

25. März 2017 Martialisch ausgerüstete Polizisten vor dem Sturm auf protestierende Belarussen

copyright: Dasha Sapranetskaya

Am 25. März gingen in der belarussischen Hauptstadt Minsk tausende Demonstranten auf die Straße. Verwundert rieben sich westliche Beobachter die Augen. Die internationale Öffentlichkeit hatte in der Fülle weltweiter Krisenherde nicht wahrgenommen, dass die bereits im Februar aufgeflammten Proteste sich zu einem Flächenbrand ausgeweitet hatten. Zum ersten Mal gingen in Belarus Menschen auf die Straßen, die bisher als treueste Wählerschaft von Präsident Lukaschenko galten. Was also war, was ist los im Reich von Präsident Lukaschenko? Jutta Schwengsbier und Nasta Reznikava berichten:

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Abba und die Volksmusik – Besuch bei einem schwedischen Reichspielmann

Staffan Berg aus Hårte in Hälsingland ist einer von 300 schwedischen Reichspielmännern. copyright: Mirko Schwanitz

Ob in Korrö oder Delsbo, in Falun oder Ransätter – vom Frühjahr bis zum Herbst ziehen Schwedens beste Volksmusiker von Volksmusikfestival zu Volksmusikfestival.  Hier kann man dann Bockshornbläsern oder Holztrompetern ebenso begegnen, wie Spielern obertöniger Flöten, Maultrommlern,  Holzschuhgeigern oder den sogenannten Schlüsselharfinisten. Und natürlichen jenen, die auf diesen Instrumenten die wahren Meister sind – den Riksspelmen.  Nur etwas mehr als 300 Musiker dürfen zurzeit diesen Titel tragen – es ist die höchste Auszeichnung des Landes für musikalisches Können. Ohne die Tradition dieser sogenannten Riksspelmen – also der „Reichsspielmänner“ ist der Erfolg der schwedischen Pop- und Rockmusik von heute kaum denkbar. Mirko Schwanitz berichtete für den WDR

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Volleyball über den Grenzzaun

Proteste gegen neue Grenzbarrieren in Slowenien und Kroatien

DSC_4126 Radetic

Es ist die Zeit der Zäune und Mauern. Nicht nur an den Außengrenzen der EU. Slowenien, das erste osteuropäische Land, das in die EU aufgenommen wurde, errichtet jetzt nach Victor Orbans Vorbild Stacheldrahtzäune zum EU-Nachbarn Kroatien. Die kroatischen und slowenischen Behörden schauen inzwischen aber verdutzt auf den Widerstand, der sich im istrischen Grenzland gegen den Zaun formiert. Die Menschen der Region, bekannt für ihre Toleranz, ihr friedliches Zusammenleben und für ihre Mehrsprachigkeit sind empört. Immer mehr Bürgerinitiativen gründen sich und machen mit Aktionen auf ihren Protest aufmerksam. Bojana Radetic und Mirko Schwanitz berichten. Weiterlesen

Georgien: Die „unbefleckte Jungfrau“ – über den Trend hymenoplastischer Operationen

Die georgische Regierung hält sich zugute, dass Präsident Mikheil Saakashvili nach zwei Amtsperioden durch demokratische Wahlen abgelöst wurde. Die Medien können frei berichten und auch Nichtregierungsorganisationen arbeiten ohne Probleme. In vielen Bereichen halte Georgien also bereits EU Standards ein und wirbt deshalb dafür, eine Beitrittsperspektive zu erhalten. Konservative Kräfte und insbesondere die georgisch orthodoxe Kirche vertreten allerdings noch immer ein Frauenbild, dass mit europäischen Wertvorstellungen kaum vereinbar ist. So gilt nicht nur in versteckten Seitentälern die unbefleckte Jungfräulichkeit vor der Ehe als ein muss, – auch wenn sich wenige daran halten. Weiterlesen

Kroatien: Solidarität ist eine Sanduhr – Kroatische Intellektuelle  zur Flüchtlingskrise

An der Flüchtlingskrise könnte Europa scheitern. Davor warnen inzwischen nicht nur  Staats- und Regierungschefs oder Politiker fast jeder Couleur. Auch Intellektuelle melden sich zu Wort. Anders als die politische Klasse warnen sie nicht vor dem Flüchtlingsansturm – sondern vom Umgang der von Europas politischen Führungen mit der Krise. Der kroatische Autor Miljenko Jergovic geißelt in Kommentaren für Zeitungen wie „Jutarni List“ die „verlogene Politik“ der kroatischen Regierung. Offen prangert er Politiker für ihren „faschistoiden Sprachgebrauch gegenüber den Flüchtlingen“ an. Der bekannte Journalist Ladislav Tomicic bekennt: „Das ist keine Krise. Das ist eine permanente Lage.“ Und auch die Schriftstellerin Ivana Bodrozic meldet sich in ihrem Land immer wieder zu Wort. Mirko Schwanitz berichtet. Weiterlesen

LandZukunft: Ein Modellprojekt für ländliche Regionalentwicklung

Strandurlaub Dithmarschen

Vor allem ländlich geprägte Regionen müssen in den kommenden Jahren große soziale Veränderungen meistern. Die Jungen ziehen weg. Viele Branchen leiden in der Folge unter Fachkräftemangel. Zurück bleiben die Älteren. Das Bundeslandwirtschaftsministerium startete deshalb ein Modellprojekt mit dem Titel „Landzukunft“ zur regionalen ländlichen Entwicklung. Bewerben konnten sich 17 ländliche Randgebiete, die vom Thünen Institut vorab ausgewählt wurden. Neben Dithmarschen wurden dabei Birkenfeld, Holzminden und die Uckermark als Modellregionen gefördert. Das Ziel: Auch wenn die ausgewählten Regionen oft die gleichen Probleme haben, sollten sie doch regional spezifische Lösungen finden. Weiterlesen

Belarus: „Wir versteigern uns selbst“ – wie Start-ups Lukaschenkos Allmachtanspruch untergraben

Belarus hat gewählt. Schon vorher stand fest. Es kann keinen anderen Sieger als Präsident Lukaschenko geben. Doch was heißt das für die belarussische Wirtschaft? Da das Land 50 Prozent seines Außenhandels mit Moskau abwickelt, bekommt das Land die Folgen der russischen  Wirtschaftskrise seit langem massiv zu spüren: Die Staatsbetriebe müssen immer öfter Mitarbeiter entlassen. Und die spüren dann auch noch die Folgen der galoppierenden Inflation. Die betrug im letzten Jahr 18 Prozent. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres noch einmal 14 Prozent. Weiterlesen

Fluchthilfe: Mit einem Täuschungsmanöver nach Berlin

Einem Flüchtling über die Grenze zu bringen – das gilt offiziell nicht nur in Deutschland als strafbar. Fluchthelfern droht eine Geld- oder sogar Gefängnisstrafe. Doch ein Berliner Paar lässt sich davon nicht abschrecken. Seit zwei Jahren kennen sie einen jungen Syrer, den sie auf einer ihren Reisen getroffen haben. Seit dem begleiten sie den Kriegsflüchtling erst virtuell per Facebook und Whatsapp auf seiner Flucht, sind froh, dass er die Bootsfahrt von der türkischen zur griechischen Küste überlebt. Aber auf der letzten Etappe reicht es nicht mehr, nur per Smartphone und Computer dabei zu sein. Für die unpassierbaren Grenzen wird das Berliner Paar zu Fluchthelfern. Ihre Geschichte haben sie Maximilian Grosser erzählt – und weil die Rechtslage zu Fluchthilfe nicht eindeutig ist, sollen hier die richtigen Namen nicht genannt werden. Weiterlesen

Altenpflege als Renditeobjekt?

Kapitalanleger, von Immobilienfinanzierern über Versicherungen bis zu privaten Sparern, haben eine neue Anlagemöglichkeit entdeckt: Pflegeheime. In Werbeanzeigen werden bis zu 6% Zinsen jährlich versprochen. In der derzeitigen Niedrigzinsphase ist das eine deutlich höhere Rendite als etwa mit Büro- oder Wohnimmobilien zu erzielen ist. Betrieben werden solche Pflegeheime dann auch von gemeinnützigen Trägern wie DRK, Caritas oder AWO. Altenpflege als Renditeobjekt? Dass die Zukunft auch anders aussehen kann, zeigt ein Modellvorhaben in der kleinen Gemeinde Wesselburen in Schleswig-Holstein. Dort haben die Bürger eine eigene Sozialgenossenschaft gegründet, um ihre Pflege nicht den Kapitalmaximierern zu überlassen.Jutta Schwengsbier berichtet. Weiterlesen

Tschernobyl: Schwarzes Leben – die vergessenen Liquidatoren

Als am 26. April 1986 der Reaktor des Kernkraftwerks Tschernobyl explodierte, spürte ganz Europa die Folgen. Vor allem betroffen: die Retter und Helfer der ersten Stunden. Bis zu ihrem Zerfall schickte die Sowjetunion mehr als 600 000 Menschen aus allen Sowjetrepubliken in die Unglückszone. Viele von ihnen starben. Die, die überlebten, leben heute in den Folgestaaten des einstigen Riesenreichs. Anders als die Helfer in Russland erhalten sie keinerlei Unterstützung. Ein Bericht von Simion Ciochina und Jutta Schwengsbier. Weiterlesen