Kroatien: Mühsal der Toleranz – Vukovar , 25 Jahre Jahre nach der totalen Zerstörung

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Vier Städte stehen geradezu symbolisch für das Grauen der jugoslawischen Zerfallskriege: Sarajevo, Srebrenica, Mostar und Vukovar. Vor genau 25 Jahren, am 18. November 1991 wurde Vukovar, einst eine der schönsten Barockstädte an der Donau, nach monatelanger Belagerung, Opfer der Jugoslawischen Volksarmee. Vukovar gilt bis heute als einzige Stadt in Europa, die nach dem Zweiten Weltkrieg in einer kriegerischen Auseinandersetzung komplett zerbombt wurde. Die auf die Eroberung  folgenden Massaker an kroatischen Zivilisten waren das erst große Kriegsverbrechen im Jugoslawienkrieg. Weiterlesen

Moldova vor den Präsidentschatswahlen

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Nach dem Putsch gegen Präsident Gorbatschow im Sommer 1991 zerfiel das das sowjetische Imperium. Viele einstige Sowjetrepubliken forderten ihre Souveränität. In einigen der Republiken gab es daraufhin blutige Kämpfe. Das war auch in der  einstigen 15. Sowjetrepublik Moldawien so. Als dort vor ziemlich genau 25 Jahren die Republik Moldova ausgerufen wurde, löste das bei den im Gebiet Transnistrien angesiedelten Russen Ängste aus. Weiterlesen

Moldau: Ich bin keine Dona Quichotte

Cristina Tarna, oberste Korruptionsbekämpferin in Moldau

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Vor mir liegen ein paar Kinderbilder. Eines dieser Bilder zeigt ein Klassenzimmer. Eine Schülerin steht vor der Tafel und schiebt der Lehrerin einen Geldschein zu. Ein anderes zeigt eine Ärztin mit zwei Gesichtern. Das Stethoskop baumelt über der Brusttasche ihrer Bluse aus der ein paar Dollarscheine ragen. Es sind Kinderbilder aus der Republik Moldau. Die liegt zwischen der Ukraine und Rumänien und wird in genau einer Woche den 25. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit von der einstigen Sowjetunion feiern. Doch wie die Kinderbilder eines Malwettbewerbs der staatlichen Antikorruptionsbehörde zeigen, gibt es wenig Grund zum Feiern. Viele Hoffnungen von damals haben sich nicht erfüllt. Das kleine Land ist fest im Griff der Korruption und in den Nachrichten ist von ihm nur dann zu hören, wenn es wieder einmal Skandalöses zu berichten gibt. Weiterlesen

Alissa Ganijewas neues Buch – „Eine Liebe im Kaukasus“

Alissa Ganjeva © Greg Bahl

Schon mit ihrem ersten Roman „Die russische Mauer“ sorgte sie für Furore. Darin ging es um fiktive Gedankenspiele, wie sich Russland der Gefahr erwehren könnte, die dem Riesenreich von der zunehmenden Islamisierung des Kaukasus droht. Ganijewa ist eine genaue und präzise Beobachterin politischer und gesellschaftlicher Prozesse – in Russland ebenso wie in ihrer kaukasischen Heimat. Heute gehört sie zu den wenigen russischen Autorinnen und Autoren, die noch wagen sich auch öffentlich kritisch zu den politischen Vorgängen in ihrem Land zu äußern. Weiterlesen

Ukraine: Jamala – eine Krimtatarin fährt zum ESC

ESC-Teilnehmerin Ukraine: die krimtatarische Sängerin Jamals

Obwohl politische Texte eigentlich verboten sind, gewann in der Ukraine die krimtatarische Sängerin Jamala mit einem Lied, mit dem sie auf das Schicksal ihres Volkes aufmerksam machen will. Tatsächlich scheint das Schicksal der Krim-Tataren, der größten Minderheit auf der Krim niemanden mehr zu interessieren. Einige Beobachter sprechen gar von einem Kartell des Schweigens. Man nehme die Menschenrechtsverletzungen auf der Krim hin, um mit Russland über Syrien verhandeln zu können. Niemanden interessierte dass die gewählten politischen Führer der Krim-Tataren seit der Annexion nicht mehr in ihre Heimat können und das auch in den vergangenen Tagen auf der Krim wieder Hausdurchsuchungen und Verhaftungen von Krim-Tataren gegeben hat. Inzwischen sitzen viele mit fingierten Anklagen in Gefängnissen. Weiterlesen

Karim Wasfi – Cellospiel für den Frieden

Einem internationalen Publikum bekannt geworden ist Karim Wasfi nicht als Dirigent des irakischen nationalen Symphonieorchesters sondern als Cellist von Bagdad. Als Musiker könnte Karim Wasfi ein Weltstar sein, der in allen Konzertsälen der Erde ein begeistertes Publikum fände. Sein eigenes Cellospiel oder auch seine Interpretationen von Bach, Mahler oder Vivaldi als Dirigent mit großem Orchester, gehören zum besten, was die klassische Musikwelt derzeit zu bieten hat. Doch Wasfi entschied sich in Bagdad zu bleiben. Er will mit seiner Musik dazu beizutragen, sagt Wasfi, wieder Frieden zu schaffen, in diesem vom Terror zerrissenen Land. Jutta Schwengsbier mit dem Porträt eines aussergewöhnlichen Musikers. Weiterlesen

Wir sind Verräter

Wie sich Künstler gegen eine faschistoide Politik in Kroatien wehren

Seit 10 Tagen hat Kroatien nun eine neue Regierung und Europa ist derart mich beschäftig, dass es kaum wahrnimmt, dass das kleine Land sich immer mehr von den Werten entfernt, zu denen es sich mit dem Beitritt der Europäischen Union bekannt hat. Der neue kroatische Regierungschef, Tihomir Oreskovic, ein aus Kanada zurückgekehrter Exilkroate versteht offenbar so wenig Kroatisch, dass nicht er seine Minister, sondern seine Minister ihn kontrollieren. Einer dieser Minister wollte etwa „Staatsverräter“ in Listen erfassen lassen. Ein anderer erklärt den kroatischen Staat zum legitimen Nachfolger der faschistischen Marionettenrepublik von Ante Pavelic. Weiterlesen

Balkanroute: An der Grenze über die Grenze

IC-MN-Chefredakteur Mirko Schwanitz koordinierte für den WDR eine vielbeachtete Radioessayreihe mit Schriftstellern aus Ländern entlang der Balkanroute

Autorenporträts

vlnr: Draga Potocnijak (©Žiga Koritnik); Miljenko Jergovic (©Miodrag Trajković); Lena Divani (©privat); Sreten Ugricic (©Volker Dittrich); Vlada Urosevic (©Susanne Schleyer)

 

„Flüchtlinge“ wurde 2015 zum Wort des Jahres gekürt. Wir erinnern uns an das mediale Bombardement jener Monate, in denen es kein anderes Thema mehr zu geben schien. Das im Süd-Sudan mehr als eine Million Menschen vom Hungertod bedroht sind, das in der Ukraine 1,2 Millionen Menschen auf der Suche nach einem neuen Zuhause sind, das 12 Millionen Roma in Europa noch immer unter erbärmlichen und entwürdigen Bedingungen leben müssen, dass auf der Krim über 250 000 Tataren zunehmenden Repressionen der russischen Besatzungsmacht ausgesetzt sind, das die Arbeitsmigration in Europa mehr als zwei Millionen Kinder zwingt, ohne ihre Eltern aufzuwachsen – all das wurde und wird überlagert von dem einen Thema: „Flüchtlinge“. Weiterlesen

Volleyball über den Grenzzaun

Proteste gegen neue Grenzbarrieren in Slowenien und Kroatien

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Es ist die Zeit der Zäune und Mauern. Nicht nur an den Außengrenzen der EU. Slowenien, das erste osteuropäische Land, das in die EU aufgenommen wurde, errichtet jetzt nach Victor Orbans Vorbild Stacheldrahtzäune zum EU-Nachbarn Kroatien. Die kroatischen und slowenischen Behörden schauen inzwischen aber verdutzt auf den Widerstand, der sich im istrischen Grenzland gegen den Zaun formiert. Die Menschen der Region, bekannt für ihre Toleranz, ihr friedliches Zusammenleben und für ihre Mehrsprachigkeit sind empört. Immer mehr Bürgerinitiativen gründen sich und machen mit Aktionen auf ihren Protest aufmerksam. Bojana Radetic und Mirko Schwanitz berichten. Weiterlesen

György Dragoman und die Bedeutung der Mythen in Osteuropa

György Dragoman Der ScheiterhaufenBereits mit seinem ersten Roman „Der weiße König“ erregte der ungarische Autor György Dragoman Aufmerksamkeit. In ihm berichtete er über einen kleinen Jungen, der versucht, in der bizarren Welt des rumänischen Diktators Ceausescu zu überleben. Auch in seinem neuen, soeben erschienenen Roman „Der Scheiterhaufen“ beschäftigt sich Dragoman mit dem Ende der Diktatur in Rumänien. Und doch geht es dem Autor, der mit seinen Eltern 1988 im Alter von 15 Jahren Rumänien verließ und seitdem in Ungarn lebt, nicht vordergründig um Rumänien. Sein Roman beschäftigt sich vor allem mit der Frage, wie wir alle Geschichte schreiben und was uns dabei beeinflusst. Entstanden ist dabei eine unter die Haut gehende Geschichte und ein magischer Moment der osteuropäischen Literatur. Mirko Schwanitz, hat den Autor György Dragoman getroffen. Weiterlesen